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HSC-Damen gewinnen Oberliga Hessen und steigen in die 2. Bundesliga auf!  [02/2012]

Hofheim und Freiburg, am 4.2.2012 ist daraus eine Art Freundschaft geworden. Denn am besagten Samstag gingen die HSC-Damen im Rahmen der Deutschen Mannschaftsmeisterschaften im Breisgau an den Start, nachdem sie sich eine Woche zuvor für den Aufstiegskampf zur 2. Bundesliga Süd der sechs besten Vereine der Oberligen der Landesverbände Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen qualifizieren konnten. Dies gelang ihnen auch schon im vergangenen Jahr, doch damals mussten sie das Feiern und den Aufstieg anderen Vereinen überlassen. Als Drittplatzierte nach dem Vorkampf mit 20563 Punkten hatten die Damen genau 200 Rückstand auf einen der beiden Aufstiegsplätze, den brisanter Weise der Nachbar aus Eschborn innehatte.

Trainer Volker Kemmerer nominierte mit Lisa und Celine Mauer, Selina Müller, Christina Lehr, Karin und Nicola Grebe, Chiara Passmann, Ann-Katrin Gerullis, Julia Tilly, Aurica Ritter, Franziska Eichhorn und Christina Grölz exakt die gleichen Damen, wie beim Vorkampf in Baunatal. Doch im Gegensatz zur Vorwoche waren die zahlreichen Wehwehchen und Krankheiten bei fast allen überwunden und es stand eine hoch motivierte und vor allem gesunde Mannschaft am Start.
Eigentlich hatte Kemmerer mit Nicola Grebe noch einen Trumpf im Ärmel, aber leider konnte er diesen nicht ausspielen, da ihre Verletzung immer noch nicht ausgeheilt war und sie deswegen lediglich als moralische Unterstützung am Beckenrand helfen konnte. Dieser erneute Ausfall trübte etwas die Hoffnung auf das Erreichen des großen Zieles, doch waren alle HSC-Damen voller Tatendrang und Vorfreude. Besonders erfreulich war zudem, dass zahlreiche Hofheimer Fans aus Eigeninitiative den Weg nach Freiburg fanden und somit die HSC-Damen eine große Schar an Unterstützern am Beckenrand und auf der Tribüne versammelt hatte.


Sehenswerte Aufholjagd im ersten Abschnitt

Um Punkt 11 Uhr begann im Freiburger Westbad der positive Hofheimer Wahnsinn, den in dieser Art wohl niemand für möglich gehalten hätte. Ann-Katrin Gerullis machte über 200m Freistil den Beginn und legte sogleich in 2:07,76 Minuten den ersten Vereinsrekord hin und gab damit dem Rest des Teams sozusagen die Initialzündung zum „besten Wettkampf, den ich je erlebt habe“, wie es Trainer Kemmerer hinterher formulierte. Einmal auf den Geschmack gekommen, legte sie später im Abschnitt eine neue 50m Freistil-Bestzeit hin und pulverisierte kurz darauf auch ihren eigenen Vereinsrekord über 400m Freistil in 4:28,97 Minuten.

Als zweite Starterin legte Selina Müller mit phantastischer Bestzeit in 1:13,46 Minuten über 100m Brust nach und feuerte später im ersten Abschnitt auch gleich über die doppelte Distanz in 2:41,28 Minuten die nächste Bestzeit heraus. Zwar unterlagen beide Hofheimer Schwimmerinnen der direkten Konkurrenz und der HSC verlor weiter an Boden, doch irgendwie störte sich überhaupt niemand daran, sondern die gesamte Mannschaft spürte bereits nach wenigen Momenten, dass alle gut drauf sind und dies einfach ein geiler Tag wird. Diese tolle Stimmung führte dann dazu, dass die Mannschaft einfach ihr eigenes Ding durchzog und sich zu keiner Zeit von der äußerst starken Konkurrenz beeindrucken ließ.

Erst mit der dritten Starterin begann die HSC-Aufholjagd. Aurica Ritter legte über 200m Rücken in 2:24,10 Minuten eine tolle Leistungssteigerung im Vergleich zum Vorkampf hin und nahm damit erstmals der Aufstiegskonkurrenz Punkte weg. Es folgte nun Bestzeit auf Bestzeit und alle HSC-Damen verbesserten sich im Vergleich zum Vorkampf erheblich und plötzlich waren sie nach dem ersten Wettkampfdrittel mitten drin im Rennen um den Aufstiegsplatz.

Als nächstes folgte der erste ganz große Auftritt von Celine Mauer. Vor einer Woche noch aufgrund harter Trainingsbelastung noch nicht richtig in Form, rückte sie nun in Freiburg die Verhältnisse zurecht und zeigte ihr wahres Leistungsvermögen. Gleich beim ersten Start über 100m Schmetterling schwamm sie mit sehenswerter Technik in 1:02,12 Minuten zum nächsten Vereinsrekord und ließ im zweiten Abschnitt noch weitere folgen. Im ersten Abschnitt startete sie später noch über die ungeliebte doppelte Schmetterlingsdistanz und kratzte mit guten 2:21,40 Minuten an ihrem eigenen Vereinsrekord, den sie nur um wenige Hundertstelsekunden verfehlte.

Anschließend folgte Julia Tilly über 50m Brust und später auch über die beiden Rückenstrecken 50 und 100m. Nach ordentlichen 34,12 Sekunden über die Bruststrecke, langte sie dann über Rücken so richtig hin. Trotz einiger (oder eher vieler;-) Reserven bei der Wendenausführung konnte sie über die 100m ihre Bestzeit um eine Sekunde auf 1:05,71 Minuten steigern, um sich dann bei den 50m Rücken mit einem Paukenschlag den Vereinsrekord in 29,56 Sekunden unter den Nagel zu reißen.

Wenn es dann schon mal läuft, dann aber auch richtig. Die noch nicht 100-prozentig genesene Chiara Passmann zeigte über 200m Lagen in 2:23,88 Minuten, dass wieder nahe an ihrem optimalen Leistungsvermögen dran ist und legte beim finalen Start des ersten Abschnitts über 100m Freistil einen tollen Kampf hin und hielt mit schwindender Kraft, aber mit gewohnt starkem Willen bis zum Anschlag dagegen und belohnte sich und das Team mit Bestzeit nach tollen 59,56 Sekunden.

Bei diesen ganzen tollen Leistungen wollte die „Mutter der Kompanie“ (sorry, Ede;-) natürlich nicht hinten anstehen. Christina Grölz war im vergangenen Jahr beim verpassten Aufstieg in Leipzig sicherlich eine der Traurigsten und wünschte sich nichts mehr als es in diesem Jahr besser zu machen. Sie ist eine der zuverlässigsten DMS-Schwimmerin der Vereinsgeschichte. Seit ihrem Wechsel 1999 zum HSC ging sie ununterbrochen jedes Jahr bei den DMS für den Verein an den Start und war schon vor neun Jahren als Leistungsträgerin dabei als es nach zahlreichen Versuchen endlich gelang, in die Oberliga aufzusteigen. Nun sollte im „Herbst“ ihrer Karriere (noch mal sorry, Ede;-) der krönende Abschluss mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga folgen. Und bei ihrem ersten Start steuerte sie viele wichtige Punkte bei. Sie gab wie immer alles und verbesserte sich über 800m Freistil im Vergleich zur Vorwoche um mehr als zehn Sekunden und schwamm mit 9:50,66 Minuten die zweitbeste Zeit ihrer Karriere und war über die geglückte Renneinteilung sehr glücklich.

Nach der Langstrecke stand Karin Grebe auf dem Startblock, um über 50m Schmetterling ihren ersten Start zu absolvieren. Auch sie ließ sich vom bisherigen Auftreten ihrer Mannschaftskameradinnen anstecken und schaffte in 29,90 Sekunden die nächste Bestzeit für das Team. Kurz darauf musste sie gleich wieder über die 400m Lagen antreten und ließ sich auch dabei, trotz ähnlich suboptimaler Wendengestaltung wie bei Julia, nicht davon abhalten, eine weitere Bestzeit hinzulegen. Nach 5:19,29 Minuten wurde sie erlöst und musste sich erstmal an der Leine festhalten, weil sie wirklich alles aus sich herausgeholt hatte.

Nachdem dann der überaus erfreulich verlaufende erste Abschnitt mit Chiara Passmanns 100m Freistil beendet wurden, machte schnell die erfreuliche Nachricht die Runde, dass das HSC-Team sich auf den zweiten Rang nach vorne gekämpft hatte und somit auf einem Aufstiegsplatz lag. Beeindruckende 11001 Punkte holte die Mannschaft von Volker Kemmerer und drehte einen 200 Rückstand in nunmehr 118 Punkte Vorsprung und übertraf dabei die kühnsten Erwartungen und beeindruckte damit auch mächtig die Konkurrentinnen.


HSC-Damen stürmen im zweiten Abschnitt unaufhaltsam nach vorne

Nach der Mittagspause ließen die HSC-Damen nicht locker und verteidigten im finalen Abschnitt verbissen ihre hervorragende Ausgangslage, obwohl es zu Beginn genau so lief, wie zuvor im ersten Abschnitt. Christina Grölz verbesserte sich zwar über 200m Freistil auf 2:12,12 Minuten, verlor aber etwas an Boden auf die Mitkonkurrentinnen.
Aber besonders Brustspezialistin Chiara Passmann legte gleich im Anschluss mit zwei grandiosen Rennen innerhalb von knapp zehn Minuten die weitere Marschroute Richtung Aufstieg fest. Nach sehr starken 1:11,03 Minuten über 100m Brust legte sie nach kurzem Ausschwimmen über 50m Brust ebenso starke 32,97 Sekunden nach und hielt die Konkurrenz damit auf Abstand.

Anschließend kam der große Auftritt des diesjährigen Kükens der Mannschaft. Nachdem Lisa Mauer (Jahrgang 99) im ersten Abschnitt nur anfeuernd unterstützen konnte, durfte sie nun endlich über die 100m und 200m Schmetterling ins Becken springen und zeigen, was sie drauf hat. Und sie zeigte gleich bei den 100m, dass sie eine Menge drauf hat und zu den bundesweit besten Schmetterlingsschwimmerinnen ihres Jahrgangs zählt. Von Anfang an lag sie auf Bestzeitkurs und schaffte es sogar, auf den allerletzten Metern die ärgste Mitbewerberin aus Eschborn zu überholen und unterbot ihre Bestzeit um eine Sekunde auf 1:06,91 Minuten. Mit einem breiten Grinsen nach all dem berechtigten Lob durfte sie gegen Ende des Wettkampfes über 200m Schmetterling erneut zeigen, dass sie ihre Nominierung für die 1. Mannschaft absolut verdient hatte. Mutig, offensiv und überlegt ging sie die 200m an und teilte sich das Rennen trotz aller Aufregung optimal ein und durfte sich erstens über eine Bestzeitverbesserung von fast drei Sekunden auf 2:29,91 Minuten und zweitens über den Jubel der Mannschaft am Beckenrand freuen.

Nach ihrer kleinen Schwester drehte dann auch Celine Mauer bei ihren geliebten 50m Sprintstrecken noch mal so richtig auf. Über 50m Schmetterling schlug sie nach unfassbaren 27,91 Sekunden mit dem nächsten Vereinsrekord an und nachdem ihr zwischenzeitlich Julia Tilly den Vereinsrekord über 50m Rücken im ersten Abschnitt entrissen hatte, bekam sie nun bei ihrem letzten Start die Chance, sich diesen wieder zurückzuholen. Und mit ihrer überragenden Form holte sie sich in 29,37 Sekunden den an Julia „geborgten“ Vereinsrekord zurück, die darüber sogar noch glücklich war und sich mitfreute.

Nachdem dann Selina Müller in 2:27,87 Minuten über 200m Lagen den nächsten persönlichen Rekord beisteuerte durfte sich endlich Ann-Katrin Gerullis wieder im Becken austoben und verbessete auch gleich wieder ihren eigenen Vereinsrekord über 800m Freistil auf 9:21,12 Minuten. Dabei unterbot sie ihre alte Bestmarke um acht Sekunden und holte dabei noch nicht einmal alles aus sich heraus, da sie noch den allerletzten und möglicher Weise entscheidenden Start über 100m Freistil zu absolvieren hatte und sich deswegen noch ein paar „Körner“ aufsparte.

Als dann Aurica Ritter zum 25. von 32 Rennen an den Start ging, lag der HSC auf einmal in der Gesamtwertung erstmals in Führung und hatte dabei sogar die über 600 Punkte Rückstand aus dem Vorkampf gegenüber SG Schwabmünchen-Nördlingen aufgeholt. Aurica verteidigte mit allen Kräften den Platz an der Sonne und zeigte über 100m Rücken tolle Kämpferqualitäten, indem sie auf der letzten Bahn die beiden direkten Konkurrentinnen aus Eschborn und Schwabmünchen-Nördlingen richtig gehend niederrang und im Anschlag sogar nach 1:07,66 Minuten ganz knapp vorne lag und damit die Gesamtführung verteidigte.

Bei nur noch sechs ausstehenden Rennen und über 400 Punkten Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz wurde der Traum der 2. Liga nun mehr und mehr real. Allerdings schien die Verteidigung des ersten Platzes eher unrealistisch, da bei den verbleibenden Strecken drei davon als nicht so stark aus HSC-Sicht anzusehen waren und so konzentrierte man sich darauf, den Abstand zu Eschborn im Auge zu behalten.


Bestes Ergebnis der Vereinsgeschichte führt zum Aufstieg

Der letzte und krönende Start dieses unvergesslichen Wettkampfes blieb dann gerechter Weise Ann-Katrin Gerullis vorbehalten. Zwar reduzierte sich wie erwartet der Vorsprung, jedoch waren vor dem letzten Rennen in Freiburg noch 178 Punkte übrig und der Vorsprung auf die drittplatzierten Eschborner sogar schon so komfortabel, dass im Grunde nichts mehr schief gehen konnte. Im direkten Vergleich hätte Ann-Katrin ca. vier Sekunden verlieren müssen, um noch vom Aufstiegsplatz verdrängt zu werden, was aufgrund ihrer hervorragenden Form mehr als unwahrscheinlich war.

Und passend zu diesem Tag zauberte Ann-Katrin noch mal eine atemberaubende Leistung aus dem Hut und ließ zu keinem Zeitpunkt in diesem finalen 100m Freistilrennen einen Zweifel daran aufkommen, dass der Aufstieg noch verpasst werden könnte. Nach tollem Kampf schlug sie mit neuer Bestzeit in 59,22 Sekunden an und versetzte alle am Beckenrand versammelten Hofheimer/innen in ekstatischen Jubel. Neben zahlreichen Freudentränen knallten dann auch die Sektkorken und alle fielen sich Freudetrunken um den Hals. Trainer, Betreuer und Eltern wurden ins Becken geworfen und die Glückseligkeit hatte ihren freien Lauf ;-)
Für die gezeigten Leistungen der Mädels gibt es in der Tat nicht genug Superlative. Alles, was einen Mannschaftswettbewerb auszeichnet, wurde von den Hofheimerinnen gelebt und verkörpert. Auch die anderen Vereine gratulierten und zollten diesem Team und dem gezeigten Auftreten Respekt.

 EndstandVorkampfEndkampfEndergebnis
1.SG Schwabmünchen-Nördlingen21.191 21.477 42.668  Punkte
2.Hofheimer SC20.563 21.93642.499  Punkte
3.SCW Eschborn20.76321.575 42.338  Punkte
4.DSW 1912 Darmstadt20.51721.186 41.703  Punkte
5.SSV Ulm20.250 20.905 41.155  Punkte
6.SG Bamberg19.291 19.08938.380  Punkte
Trainer Kemmerer war nach dem Wettkampf sprachlos ob der gezeigten Leistungen. 19 persönliche Rekorde und sechs Saisonbestzeiten erzielten die eingesetzten neun Hofheimerinnen, davon sogar sieben neue Vereinsrekorde. Die gleiche Mannschaft erzielte im Vergleich zum Vorkampf bei 32 Starts 30-mal eine Verbesserung und das Vorkampfergebnis von 20563 wurde um 1436 Punkte verbessert, so dass final mit dem Gesamtergebnis von 42499 Punkten das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte zu Buche stand. Da sich auch die beiden Hauptkonkurrenten Schwabmünchen-Nördlingen und vor allem der SCW Eschborn steigerten, war diese Leistungsexplosion der HSC-Damen auch vonnöten, um diese Überraschung zu schaffen. Ganz nebenbei durfte man sich auch mit diesem Ergebnis über den erneuten Sieg und der Titelverteidigung in der Oberliga Hessen freuen. Als neues Mitglied der 2. Bundesliga kann man zwar diesen Titel im kommenden Jahr nicht erneut verteidigen, aber darüber ist man beim HSC sogar sehr froh ;-)

Ein ganz besonderes Dankeschön für diesen schönen Tag möchte euch eurer größter "Fan" aussprechen, der sehr glücklich war, das alles von der Tribüne aus miterlebt haben zu dürfen. Ihr habt es euch einfach verdieeent!!!

Das Fazit dieses unvergesslichen Samstags in Freiburg lautet einfach, wie banal: OUR BETTER IS BETTER THAN YOUR BETTER!

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