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HSC-Damen verschenken Aufstieg in die 2. Bundesliga leichtfertig  [02/2011]

Trotz krankheitsbedingter personeller Engpässe gelang es dem Damenteam des HSC, sich beim Deutschen Mannschaftswettbewerb im Schwimmen (DMS) für den Aufstiegskampf zur 2. Bundesliga Süd zu qualifizieren. Dabei trafen die sechs besten Vereine aus sechs Landesverbänden des Süddeutschen Schwimmverbandes am 26.2.11 in Leipzig aufeinander, um zwei Aufsteiger zu ermitteln. Die HSC-Damen reisten mit der Vorkampfleistung von 20720 Punkten als Zweitplatzierte an und hatten einen Vorsprung von knapp 100 Punkten auf einen Nichtaufstiegsplatz.
Zwar waren nach wie vor nicht alle Schwimmerinnen körperlich im Vollbesitz ihres Leistungsvermögens, doch konnte Trainer Adam Ollé in Leipzig, anders als im Vorkampf vor 14 Tagen, auf die gesamte Mannschaft zurückgreifen und war dementsprechend optimistisch, dass das anvisierte Aufstiegsziel erreicht werden würde. Für den HSC gingen Christina Grölz, Franziska Eichhorn, Aurica Ritter, Bettina Fuhr, Karin und Nicola Grebe, Ann-Katrin Gerullis, Julia Tilly, Chiara Passmann und Celine Mauer im Schwimmbad Grüner Welle auf die notwendige Punktejagd für das Erreichen der nächsthöheren Klasse. Mit besten Erinnerungen an den Aufstiegskampf der HSC-Herren 2004 und dem damit verbundenen Aufstieg in die 2. Bundesliga reiste der HSC-Trainer nach Ostdeutschland an. Besonders der damals offenbahrte Teamgeist und das Über-sich-Hinauswachsen einiger Schwimmer erhoffte sich Ollé auch in der kreisfreien Stadt im Freistaat Sachsen von seinen Schützlingen.


Zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegen Welten

Nach einiger Überlegung und Rücksprache mit den zuvor noch angeschlagenen Athletinnen legte sich Ollé am Vorabend auf die endgültige Aufstellung fest, die eine Ausbeute von knapp über 21300 Punkten einbringen sollte. Bei dieser Kalkulation wurden ausschließlich Leistungen angesetzt, die über den Bestzeiten der Schwimmerinnen lagen und damit wähnte sich der Hofheimer Trainer in einer guten Position, um in Leipzig um den Sieg mitschwimmen zu können. "In der Regel bewirkt der Mannschaftswettbewerb und im Besonderen der Endkampf einen Leistungsschub und es ist durchaus mit zahlreichen Bestleistungen zu rechnen." lautete die optimistische Sicht Ollés im Vorfeld der Veranstaltung, nachdem bereits im Vorkampf trotz einiger Handicaps neun Bestleistungen bei 32 Starts erzielt werden konnten. Mit der erhofften Euphorie und dem Mannschaftsgeist sollte es den Damen gelingen, die Konkurrenz auf Distanz zu halten.

Aber irgendwie schien sich diese Grundhaltung nicht in der gesamten Mannschaft verbreitet zu haben und es herrschte eine seltsame zurückhaltende Stimmung und genauso verlief auch der Auftakt zu diesem wichtigsten Kurzbahnwettkampf der gesamten Saison. Nach und nach gingen die einzelnen Damen an den Start und schwammen ihre Strecken, doch wollte sich einfach nicht das Gefühl eines "Mannschaftswettbewerbes" einstellen. Und noch viel schlimmer war der Eindruck, dass auch einigen Schwimmerinnen scheinbar die Einstellung fehlte, um die Konkurrentinnen sportlich bis zum Letzten zu bekämpfen und sich untereinander ebenso bedingungslos zu unterstützen.

Der Wettkampf plätscherte aus HSC-Sicht so vor sich hin und während die anderen Vereine von Bestzeit zu Bestzeit eilten, blieben die Hofheimerinnen teilweise deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück und schafften in den ersten zwölf Rennen nicht nur keine einzige Bestzeit, sondern blieben auch mehr oder minder weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Nicht nur der Trainer vermisste zu diesem Zeitpunkt den notwendigen Kampfgeist und den Siegeswillen. Selbst der tolle kämpferische Einsatz Chiara Passmanns über 200m Brust, bei denen sie ihre Konkurrentin auf der Nachbarbahn mit zähem und vorbildlichem Einsatz niederringen konnte, brachte nicht den gewünschten "Hallo-wach"-Effekt, sondern verpuffte nahezu wirkungslos bei den nachfolgen Starts. Das blutleere und unzureichende Auftreten resultierte lediglich in einer einzigen Bestzeit und am Ende des 1. Abschnittes mit dem Abfall auf den vierten Rang und der Erkenntnis, dass der für den Aufstieg sichere zweite Rang mit dieser Einstellung in unerreichbare Ferne entrückt war.


Sogar der dritte Platz reichte zum Aufstieg

Besonders befremdlich war, dass offensichtlich nicht alle an die eigene Stärke glaubten und mit dieser Außendarstellung den Teamgeist merklich nicht in die Nähe des HSC-Teams heranließen, was dann auch zu Spannungen untereinander führte, da durchaus ein Teil der Mannschaft an das Erreichen des Zieles glaubte und bereit war, dafür auch zu kämpfen. Jeder Mannschaftssportler kennt aber genau das Gefühl, dass sich einstellt, wenn sich der Eindruck verbreitet, dass nicht alle an einem gemeinsamen Strang ziehen und dieses unsichtbare Band der gemeinsamen Stärke irgendwo unterbrochen wurde.
Um doch noch mal den Kampfgeist der eigenen Mannschaft zu wecken, erklärte Trainer Ollé den etwas niedergeschlagen wirkenden Schwimmerinnen in der Pause, dass auch der dritte Platz für den Aufstieg reichen sollte, da mit der SSG Saar-Max-Ritter ein Verein aus der 2. Bundesliga Süd fast sicher in die 1. Bundesliga aufsteigen wird und somit dieser freie Platz an den Drittplatzierten des Aufstiegskampfes vergeben wird. Und die HSC-Damen lagen nur die Winzigkeit eines einzigen Punktes hinter der drittplatzierten Mannschaft SG Schwabmünchen-Nördlingen und hatten zumindest für diesen Platz noch alle Trümpfe in der eigenen Hand, sofern sie es doch noch schafften, den Hebel umzulegen und ordentlich Gas zu geben.

Aber auch zur Hälfte des finalen zweiten Abschnittes hatte sich das Bild kaum geändert. Zwar wechselte der dritte Platz quasi bei jedem Start hin und her, jedoch gelang den Hofheimerinnen auch bis Dreiviertel des Wettkampfes keine einzige weitere Bestzeit, sondern der Trend ging weiter so. Erst im letzten Viertel realisierten die Damen, dass der Aufstieg noch möglich war und der überfällige "Ruck" ging durch das Team und auf einmal entflammte nach und nach der so schmerzlich vermisste Funke der Leidenschaft und man rannte nach jedem Start zum Ergebnis, um zu sehen, wie sich der Gesamtstand entwickelte. Mit dem nun Einzug gehaltenen Willen und Kampfgeist wurde endlich dagegen gehalten und vor dem vorletzten Rennen kämpften sich die Damen wieder auf den dritten Rang zurück und hatten 25 Punkte Vorsprung vor den beiden abschließenden Rennen. Doch passend zum Wettkampfverlauf unterlagen die HSC-Schwimmerinnen jeweils der direkten Konkurrentin und am Ende fehlten bei 41532 Punkten gerade einmal 70 Punkte, um den Wettbewerb mit dem Aufstieg zu krönen. Der HSC musste mit dem undankbaren, aber verdienten vierten Rang vorlieb nehmen und muss sich im kommenden Jahr erneut an dieser Hürde messen.


Aufstieg in diesem Jahr nicht verdient

Die Erkenntnis aus Leipzig lautet für den Hofheimer Trainer, dass im Vorfeld der sehr rar gesäten Mannschaftswettbewerbe noch mehr Wert auf das Mannschaftsgefühl -und gefüge gelegt werden muss. Zwar wurde nach bestem Wissen und Gewissen die Aufstellung mit den meisten zu erwartenden Punkten gewählt, jedoch muss ganz objektiv festgestellt werden, dass nicht die beste Mannschaft an den Start geschickt wurde, sofern das Wort "Mannschaft" überhaupt eine Gültigkeit für diesen verkorksten Samstag besessen hat. Zwar verbesserte das Team das Resultat des Vorkampfes um 92 Punkte auf 20812 Zähler, doch reichte das nicht ansatzweise, um an das gesteckte Ziel von 21300 Punkten heranzukommen. Mickrige drei Bestzeiten wurden zustande gebracht, während die noch nach dem Vorkampf hinter dem HSC liegenden Vereine aus Chemnitz und Schwabmünchen-Nördlingen mit 13 bzw. sogar mit 19 Bestzeiten aufwarten konnten. Von den Aufstiegskanditaten war der HSC die einzige Mannschaft, die sich im Vergleich zum Vorkampf sowohl bei der absoluten Zahl an Bestleistungen, als auch in der prozentualen Durchnittsleistung verschlechterte. Während sich die anderen beiden Teams um 0,9% und 0,5% im Schnitt über alle 32 Starts steigerten, verschlechterte sich das HSC-Team um 0,5%, wobei diese 0,5% jeweils ca. 200 Punkte auf der Haben- bzw. Sollseite ausmachten. Und eben genau dieses halbe Prozent schien auch in der Gesamtheit zu fehlen und schlich sich unterschwellig in die Mannschaft ein. "Man hatte bis kurz vor Schluss stets den Eindruck, es handelte sich lediglich um die Summe von unabhängigen Einzelstarts, nicht aber um einzelne von der Mannschaft getragenen Wettkämpfe, die alle zusammengehören." lautet das ernüchternde Fazit des Trainers.

Auf jeden Fall ist Ollé der Meinung, dass man dieser Leistung und besonders der Einstellung, den Aufstieg nicht verdient habe. Aber trotzdem muss man der Mannschaft großes Potential attestieren und das vermeintliche Jammern erfolgt auf sehr hohem Niveau. Mit der Endpunktezahl hat man nicht nur souverän die Oberliga Hessen für sich entscheiden können, sondern man hätte man bereits den fünften Rang im Schlussklassement der 2. Bundesliga Süd eingenommen und stellt hinter der Bundesligamannschaft der SG Frankfurt die zweitbeste Hessische Mannschaft des gesamten Wettbewerbes, noch vor Großvereinen, wie dem SC Wiesbaden oder dem DSW Darmstadt. Und sollten die HSC-Damen im nächsten Jahr zueinanderfinden und als echte Mannschaft auftreten, dann ist der Aufstieg lediglich um ein Jahr verschoben ...

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