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Auftakt nach Maß bei den Deutsche Kurzbahnmeisterschaften [11/2010]

In Wuppertal steht vom 12. bis 14. November 2010 mit den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften der Kurzbahn Wettkampfhöhepunkt der Wintersaison auf dem Programm. In der renovierten Wuppertaler Schwimmoper trifft sich die nationale Elite, um die Deutschen Meister zu küren. Da bei den Kurzbahnmeisterschaften keine Jahrgangstitel vergeben werden, konnte sich das HSC-Team voll und ganz auf die Bestzeitenjagd konzentrieren, ohne auf Platzierungen schauen zu müssen.

Für den Hofheimer SC haben sich Aurica Ritter, Bettina Fuhr, Julia Tilly, Chiara Passmann und Celine Mauer im Jahresverlauf qualifizieren können. Nach 17 Titeln und starken Leistungen bei den vor drei Wochen stattfindenden Hessischen Meisterschaften und Jahrgangsmeisterschaften stand in den vergangenen zwei Wochen im Training das Herausarbeiten der Wettkampfform im Vordergrund. Die Gesundheit spielte glücklicherweise bei allen Athletinnen mit und die Trainingsergebnisse in den letzten Tagen vor den nationalen Titelkämpfen gaben großen Anlass zur Hoffnung auf neue Bestleistungen. Trainer Adam Ollé zeigte sich vor der Abfahrt nach Wuppertal sehr zufrieden mit dem Leistungsstand und auch die HSC-Schwimmerinnen waren voller Vorfreude und Tatendrang und konnten den Beginn kaum erwarten.


Vereinsrekordflut am ersten Wettkampftag

Vier Einzelstarts und die 4x50m Freistilstaffel standen am ersten Wettkampftag für die HSC-Damen auf dem Programm. Den Premierenstart hatte Chiara Passmann (Jahrgang 1996) über 100 m Brust zu absolvieren. Die sehr große Nervosität bei ihr zeigte sich unter anderem darin, dass sie sogar nach dem Einschwimmen noch mal nachfragte, ob sie heute 100 m oder 200 m Brust schwimmen würde. Als das dann endgültig geklärt war, startete sie engagiert und mutig in ihr Rennen und wendete zur Halbzeit in 33,8 Sekunden auf Bestzeitkurs. Sie lag gut im Feld und hatte an der letzten Wende noch alle Chancen, ihren eigenen Vereinsrekord noch zu unterbieten. Aber auf der letzen Bahn konnte sie das Tempo und besonders die Frequenz nicht hoch genug halten und versemmelte zudem noch den Anschlag. Am Ende schlug sie nach 1:13,57 Minuten an und verfehlte ihre Bestzeit um eine knappe halbe Sekunde. Trotzdem war es immer noch die zweitbeste Zeit ihrer Karriere und vor allem taktisch hat sie den Willen gezeigt, ein offensives, auf Bestzeit ausgelegtes Rennen zu schwimmen, was aus Trainersicht bei wichtigen Wettkämpfen immer sehr positiv aufgenommen wird. An den bekannten konditionellen und technischen Defiziten muss Chiara noch weiter arbeiten, um im Sommer wieder zu den Besten ihres Jahrganges zu zählen.

Nach ihr absolvierte Bettina Fuhr (94) ihren Einzelstart über 50m Schmetterling. Seit ihrem sehr starken Auftritt im Sommer im Jahrgangsfinale in Berlin lief es nicht wirklich so gut über diese Sprintdistanz und sie beklagte immer wieder das fehlende Wassergefühl beim Sprinten mit den hohen Frequenzen. Durch vermehrtes Techniktraining im Bereich des Überganges vom Tauchen mit Schmetterlingbeinen ins eigentliche Schmetterlingsschwimmen sollte es ihr gelingen bei Start und Wende etwas Zeit zu gewinnen. Und scheinbar hat es gefruchtet, denn Betti gelang es vorzüglich, wieder auf den Punkt genau ihre Topleistung abzurufen. Nach guten 13,4 Sekunden auf der ersten Bahn kam sie prima aus der Wende und dem Übergang heraus und schwamm auch eine starke Rückbahn. Sie schlug nach 29,07 Sekunden mit deutlicher neuer Bestzeit an und holte sich sogar erstmals einen Vereinsrekord, indem sie die alte Marke um neun Hundertstelsekunden unterbot. Lediglich das zu häufige Luftholen mit dem damit verbundenen Kopfheben auf den letzten Metern kostete sie eine 28er Endzeit, da sie dadurch den Anschlag nicht richtig traf.

Anschließend griffen Celine Mauer (96) und Aurica Ritter (94) nacheinander über die 200 m Rücken ins Wettkampfgeschehen ein. Beide Damen hatten die taktische Aufgabe, es auf den ersten 50 Metern ruhig anzugehen und es „flutschen“ zu lassen, um anschließend genug Reserven für die zweite Rennhälfte zu haben. Celine Mauer als die bessere Sprinterin der beiden legte dann auch entsprechend etwas schneller los und lag zur Halbzeit im virtuellen Vergleich mit 1:08,0 Minuten ziemlich genau zwei Sekunden vor der aktuellen Vereinsrekordhalterin Aurica Ritter, die dafür bekannter Maßen die stärkeren zweiten 100 Meter schwimmt. Auch dieses Mal konnte sie den zeitlichen Rückstand verkürzen und unterbot dabei ihre eigene Bestmarke in 2:23,72 Minuten um eine Dreiviertelsekunde und stieg zwar erschöpft, aber sichtlich gut gelaunt aus dem Wettkampfbecken. Dort empfing sie die zwei Läufe vor ihr gestartete Celine Mauer, die es geschafft hatte, ihren Vorsprung auf Aurica zu verteidigen und nach ausgezeichneten 2:22,37 Minuten ihr auch den Vereinsrekord zu entreißen. Zusammen ging es dann ins Ausschwimmbecken, um sich auf die kurz darauf folgende Freistilstaffel vorzubereiten.

Zusammen mit Julia Tilly (95) und Bettina Fuhr standen sie zum Abschluss des ersten Wettkampftages im Aufgebot für die 4x50m Freistilstaffel, deren großes Ziel es war, erstmals unter die 1:50 Minutengrenze zu kommen. Im Abschlusstraining am Mittwoch vor den Titelkämpfen deutete das Quartett bereits mit 1:51 Minuten ihr Potential an, welches es nun umzusetzen galt. Als beste Starterin sollte Julia Tilly das Quartett anführen und in eine gute Ausgangslage bringen. Obwohl sie ganz leicht den Start verschlief (im Bild links ganz oben), konnte sie die Vorgaben erfüllen und unterbot als Startschwimmerin nicht nur ihre eigene Bestzeit, sondern schnappte sich in 27,49 Sekunden sogar den Vereinsrekord von Christina Grölz, die diesen Rekord vor drei Jahren ebenfalls als Startschwimmerin der gleichen Staffel aufstellte.
Danach folgten mit Staffelbestzeit Aurica Ritter in 27,62 Sekunden und Celine Mauer in 27,29 Sekunden, bevor es an Schlussschwimmerin Bettina Fuhr lag, die Staffel nach Hause zu schwimmen. Ihr gelang dabei der beste Staffelwechsel des Quartetts (im Bild rechts) und sie knüpfte anschließend nahtlos an ihre gute Vorstellung aus dem Schmetterlingsrennen an und legte ebenfalls in 27,00 Sekunden eine neue Staffelbestzeit hin und blickte nach dem Anschlag in freudige Gesichter ihrer Mannschaftskameradinnen. Auf der Anzeigetafel leuchteten die magischen Zahlen 1:49,39 auf und der alte Vereinrekord von 1:50,32 Minuten aus dem Jahr 2007 wurde erfolgreich aus der Rekordliste getilgt und der erste Wettkampftag fand einen mehr als würdigen Abschluss aus Hofheimer Sicht.


Überragende Lagenstaffel schnuppert am Finale

Im Mittelpunkt aus Hofheimer Sicht standen am zweiten Tag die Rückenschwimmerinnen und am Ende die Lagenstaffel der Damen. Den Beginn machte allerdings Celine Mauer mit dem Rennen über 200 m Schmetterling, bei dem sie sich nach den starken 200 m Rücken vom Vortag berechtigte Hoffnung auf weitere Steigerungen machen durfte. Das Rennen nahm dann auch aus Trainersicht von der Tribüne aus den gewünschten Verlauf. Celine Mauer lag auf Kurs und nach 50 m in Führung. Doch anschließend wurden die Arme und Beine bereits auf der dritten Bahn immer schwerer und bei Halbzeit sah es gar nicht mehr gut aus. Das ganze Techniksystem fiel auseinander und es war für Celine augenscheinlich ein einziger Kampf und Krampf, sich durch das Wasser zum Anschlag zu quälen. Sie wurde folgerichtig nach hinten durchgereicht und erreichte völlig erschöpft und weit hiner ihrer Bestzeit das Ziel und war völlig bedient. Ihr Trainer ahnte für den weiteren Verlauf nichts Gutes und wurde wenig später durch Celines nächsten Rennen, den 200 m Lagen bestätigt. Wieder passierte genau das gleiche und man konnte genau sehen, dass Celine in keiner guten körperlichen Verfassung mehr war. Einsatz, Wille und Motivation waren zwar da, aber ein zu diesem Zeitpunkt nicht näher bekanntes körperliches Problem zwang sie in die Knie. Bei ihrem Trainer kam der Verdacht auf, dass sie sich eventuell einen Infekt oder ähnliches eingefangen hat, da sich einige Familienmitglieder im unmittelbaren Vorfeld der Meisterschaften leider nicht bester Gesundheit erfreuen durften.

Bester Gesundheit hingegen erfreuten sich weiterhin Aurica Ritter und Julia Tilly, die beide über die 50 m Rücken mit Bestleistungen glänzten. Aurica Ritter befindet sich aktuell in einer Phase der Technikumstellung beim Start, um in Zukunft auch auf den ersten Metern konkurrenzfähig zu sein. Sie handelt sich durch eine ungüstige und zu steile Eintauchphase stets einen größeren Rückstand ein und muss dadurch oft dem Feld hinterher schwimmen. Besonders bei Deutschen Meisterschaften fällt dies bei der starken Konkurrenz natürlich noch mehr ins Gewicht. Auch in Wuppertal war das zwar wieder so, aber es sind langsam aber sicher Fortschritte zu erkennen und sie muss diesen Weg nun mit Geduld und Zähigkeit weiter bestreiten. Als Belohnung schaffte sie es nach einem ganzen Jahr, in bei den Titelkämpfen mit 31,14 Sekunden endlich wieder eine Bestzeit auf dieser Strecke zu erzielen.

Auch Julia Tilly zeigte wieder eine sehr gute Vorstellung und legte eine sehr starke erste Bahn hin. Ihre Füße verließen nach 14,7 Sekunden die Wende und sie steuerte zielstrebig einem Vereinsrekord entgegen, den sie beinahe durch einen etwas zögerlichen Anschlag verschenkt hätte. Obwohl sie etwas weit weg von der Wand den Anschlag einleitete, reichte es in 30,02 Sekunden, den alten Rekord um neun Hundertstelsekunden zu unterbieten. In wie weit die Gedanken dabei um kleine leckere Marzipankugeln kreisten, weiß nur sie alleine ;-)
Nach einem kurzen Ausschwimmen durfte sie auch gleich wieder zum Startblock, um die 50 m Brust zu absolvieren. Start und Übergang waren gewohnt schnell und bis auf ein etwas zu tiefes Abstoßen nach der Wende lief das Rennen sehr gut und sie verbesserte in 33,67 Sekunden ihre Bestzeit um fast eine halbe Sekunde.

Chiara Passmann hatte an diesem Tag mit den 50 m Brust und den 200 m Lagen zwei Einzelrennen zu absolvieren. Über 50 m Brust bestand eine kleine Chance, sich unter die besten 16 zu schwimmen und somit das B-Finale am Nachmittag zu erreichen. Aber dafür hätte Chiara auch die notwendigen Sprinteigenschaften zeigen müssen. Aber dies gelang ihr überhaupt nicht, sondern sie schwamm eine Kopie ihres 100 m Rennens vom Vortag mit identischen Frequenzen und Zwischenzeiten, so dass am Ende auch "nur" eine 33,76 zu Buche stand und sie damit mehr als eine halbe Sekunde über ihrer Bestzeit blieb. Das Ärgeliche daran ist, dass sie mit ihrer Bestzeit tatsächlich das B-Finale erreicht hätte. Sie musste sich dann auch deutliche Kritik ihres Trainers an der Startvorbereitung gefallen lassen, da sie die notwendige Agressivität für den Sprint völlig vermissen lies.
Anschließend konnte sie sich mit einer neuen Bestzeit über 200 m Lagen in 2:27,22 Minuten wieder etwas rehablilitieren, wobei auch bei diesem Rennen deutlich wurde, dass es ihr nicht ganz gelungen war, an ihrem eigenen Limit zu schwimmen. Technische und taktische Umsetzungen sind bei ihr nach wie vor verbesserungswürdig und das Thema Beinarbeit bleibt nach wie vor sehr sehr aktuell und zeigt den Weg für die Zukunft auf.

Zum Abschluss dieses Wettkampftages folgte mit der 4x50m Lagenstaffel (im Video rechts auf der zweiten Bahn von oben) der Paukenschlag schlechthin aus HSC Sicht. Mit den besten Hochrechnungen und guten Wechseln traute Ollé den vier Mädels die hervorragende Zeit von 1:57,9 Minuten zu und damit das Unterbieten des Vereinsrekordes um fast vier Sekunden! Den Beginn über die Rückenstrecke durfte Celine Mauer übernehmen, womit sie auch die Chance erhielt, Julia Tilly den eben verlorenen Vereinsrekord wieder abzujagen. Für 50 Meter reichte ihre Kraft gut aus und sie war sehr schnell unterwegs, streifte aber durch eine kleine Unaufmerksamkeit auf der ersten Bahn die Leine und schlug dann nach 30,21 Sekunden ganz knapp über dem Vereinsrekord an.

Mit einem guten Wechsel folgte ihr Chiara Passmann auf die 50 m Brustteilstrecke. Sie schien sich die kleine Standpauke nach ihrem Einzelrennen zu Herzen genommen zu haben und schwamm in der Staffel deutlich engagierter als zuvor im Einzelrennen. Dieses Engagement konnte sie zudem auch noch in Zeit umsetzen und mit 32,48 Sekunden schwamm sie unglaubliche 1,3 Sekunden schneller als kurz zuvor.

Auf sie folgte dann Schmetterlingsspezialistin Bettina Fuhr, die nicht nur einen gelungenen Wechsel hinlegte, sogar im wahrsten Sinne des Worts über das Wasser flog. Nach dem tollen Einzelrennen des Vortages legte sie nochmals sechs Zehntelsekunden nach und schickte Schlussschwimmerin Julia Tilly nach sensationellen 28,44 Sekunden auf die abschließenden 50 m Freistil, die sie mit einem äußerst schnellen Wechsel in Angriff nahm. An der letzten Wende lag die HSC-Staffel völlig unerwartet mit an der Spitze und Julia Tilly schwamm sogar auf der letzten Bahn um den Sieg in diesem Vorlauf gegen die gleichaufliegenden Teams aus Chemnitz und Erlangen. Julia gab auf den letzten Metern alles, doch musste sie sich trotz Staffelbestzeit von 26,79 Sekunden um eine und zwei Zehntelsekunden geschlagen geben. Aber das war im Angesicht der sensationellen Spitzenzeit von 1:57,89 Minuten letztlich völlig egal, denn die Mädels versenkten den alten Vereinsrekord und durften darüber jubeln, die schnellste Hessische Staffel gewesen zu sein. Und abschließend heimste das Staffelquartett mit dem elften Rang die beste Platzierung der Vereinsgeschichte ein und verpasste das Finale nur um knappe sechs Zehntelsekunden und machte nicht nur ihren Trainer auf der Tribüne mächtig stolz! Und hier gibt es das zugehörige Video zum Herunterladen (ca. 20 MB): "Vier Wahnsinnige auf einer Mission" ;-)

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