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Erster Vereinsrekord für Celine Mauer bei den Deutsche Jahrgangsmeisterschaften [05/2009]

Ende Mai war es dann endlich soweit und die ganze „Schinderei„ in den Trainings sollte sich bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften vom 21. bis 24. Mai 2009 in Hamburg auszahlen. Mit Aurica Ritter (Jahrgang 94), Bettina Fuhr (94), Julia Tilly (95) und Celine Mauer (96) haben es erstmals vier HSC-Mädels geschafft, sich für die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften zu qualifizieren. Für alle vier ist es eine Premiere mit Einzelrennen an den Start gehen zu dürfen. Lediglich Celine Mauer startete bereits im vergangenen Jahr im Rahmen des Mehrkampfes bei den nationalen Titelkämpfen und Bettina Fuhr schaffte im Winter bereits die Qualifikation für die Deutschen Kurzbahnmeisterschaften über ihre Lieblingstrecke, den 50 m Schmetterling. Aurica Ritter war zwar letztes Jahr im Rahmen der Staffel bei den offenen Deutschen Meisterschaften am Start, jedoch für Einzelqualifikationen reichte es bisher nicht. Und für Julia Tilly stellen Deutsche Meisterschaften im gesamten Paket eine neue Erfahrung dar.
Die Ausgangslage der vier Damen stellte sich aus Sicht von Trainer Adam Ollé relativ entspannt dar, da es bis auf die 100 m Schmetterling von Celine Mauer keinerlei realistischen Endlaufmöglichkeiten gab. "Es wird aber sehr interessant zu sehen, wer in der Lage sein wird, bei dem wichtigsten Wettkampf der Saison auch die beste Leistung zu erzielen."
Voller Tatendang und guter Laune wurden die HSC-Damen nach Hamburg chauffiert. Begleitet und betreut wurden die Athletinnen von den beiden Trainern Volker Kemmerer und Adam Ollé sowie dem 1.Vorsitzenden und Papa Mario Mauer.


Celine Mauer mit Vereinsrekord und folgenschwerem Patzer

Den Auftakt am ersten Wettkampftag machte Celine Mauer mit den 400 m Lagen, bei denen sie Ende April in 5:36 Minuten nur ganz knapp über dem Vereinsrekord anschlug. Das Ziel war dementsprechend klar definiert und sie wollte als jüngste Rekordhalterin einen Vereinsrekord in einer Einzelstrecke unterbieten. Schon früh im Rennen lag sie auf Rekordkurs und nach Hälfte der Strecke auch in Führung. Doch die einzige Schwäche, das Brustschwimmen, ließ ihre Konkurrenz wieder aufschließen und teilweise auch vorbeiziehen. Sie blieb aber trotzdem in der Spitzengruppe und schlug am Ende nach 5:32,20 Minuten als Dritte ihres Laufes an und unterbot den alten Vereinsrekord um 4,5 Sekunden und ist nun die jüngste Rekordhalterin. Sie kam damit auch als beste Hessin ins Ziel und zusätzlich bescherte ihr der Rekord einen hervorragenden elften Platz in der Jahrgangswertung.

Nach dem tollen Auftakt sollte dann am dritten Wettkampftag der eigentlich Höhepunkt mit den 100 m Schmetterling folgen. In der deutschen Bestenliste belegte sie vor dem Rennen den siebten Rang und hatte sehr gute Chance auf die Finalteilnahme. Doch leider verspielte sie diese Chance bereits im wahrsten Sinne vor dem Start. Ungünstiger Weise wartete der Starter mit dem Startsignal ungewöhnlich lange, so dass das Teilnehmerfeld bereits mehrere Sekunden in der Startposition verweilte, ohne das der Start erfolgte. Irgendwann „zuckte“ Celine dann und unmittelbar darauf erfolgte dann das Startsignal. Doch Trainer Ollé war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass das Rennen und alle Hoffnungen und Ambitionen schon vorbei waren. Ein Blick auf den Starter genügte, der schon signalisierte, dass die Bahn sechs, Celines Bahn, einen Fehlstart verursachte. Natürlich hatte Celine diese Informationen noch nicht und schwamm ihr Rennen bestmöglich nach den abgesprochenen Vorgaben. Sie wendete nach 31,9 Sekunden auf Bestzeitkurs und schlug nach 100 Metern in 1:09,67 Minuten an und war damit Vorlaufsechste ihres Jahrganges und wäre somit sicher im Finale gewesen. Doch leider kam wenige Minuten später die verhängnisvolle Durchsage mit der Disqualifikation, so dass das Finale am Nachmittag ohne sie stattfand. Die Ungeduld am Start kostete sie leider das Rennen, auf das sie sich am meisten freute. Hinzu kommt noch aus Sicht des Trainers, dass sie für den Endlauf noch einige Leistungsreserven zu haben schien.
Die Erfahrungen der letzten Wettkämpfe haben gezeigt, dass Celine stets in der Lage war, bei den ganz wichtigen Rennen noch eine Schippe drauf legen zu können. Bereits in Luxemburg Mitte April zeigte sie in allen Finals, bei sehr starker Konkurrenz, eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorlauf. Und ebenso verliefen die Süddeutschen Meisterschaften vor zwei Wochen, wo sie sich wiederum deutlich steigerte. „Aber die innere Ruhe und die Konzentration auf das Wesentliche gehören ebenso dazu, wie die körperliche Fitness, wenn man bei Deutschen Meisterschaften vorne dabei sein will“ resümiert Ollé. „Leider haben wir des öfteren im Training Diskussionen darüber, dass sie zu früh startet. Nun hat sie es auf die ganz harte Tour lernen müssen. Und ich hoffe, dass damit der Lernprozess abgehakt ist und ihr dies nie wieder passieren wird.“ Dass Celine natürlich zu Tode betrübt und untröstlich war, ist nachvollziehbar und verständlich. Aber auch im Moment der bisher größten Enttäuschung ihres jungen Sportlerlebens zeigte sie eine „Nehmerqualität“, die Hoffnung auf die Zukunft gibt.

Am letzten Wettkampftag brannte sie auf Wiedergutmachung und wollte ihren ganzen Frust bei den 200 m Lagen wegschwimmen. Als nur 37. schnellste gemeldet wollte sie noch etliche der nachfolgenden Schwimmerinnen hinter sich lassen und legte dementsprechend vor. Auch bei der kurzen Lagendistanz gelang ihr ein starkes Rennen und eine weitere deutliche Bestzeit. Nach exakt 2:36,00 Minuten schlug sie mehr als zwei Sekunden unter ihrer alten Bestzeit an und konnte sich damit auch noch auf den 22. Rang nach vorne schwimmen.


Julia Tilly kann ihr Potential noch nicht umsetzen

Bei Julia Tilly war die Form in den vergangenen Wochen sehr schwankend und da zusätzlich ja auch ihre erste Teilnahme bei Deutschen Meisterschaften war, konnte man nur sehr schwer vorhersehen, wie sie mit der Situation umgehen würde und zu welcher Leistung sie fähig sein würde. Sie durfte bei ihrem 100 m Brustrennen auf einer Mittelbahn antreten und kam nach ertönen des Startsignals gewohnt gut vom Block weg und lag gleich in Führung, die sie nach 25 Meter auch inne hatte. Bei der 50 m Wende, die sie nach 37,8 Sekunden erreichte, hatte das Feld zwar etwas aufgeschlossen, doch lag sie immer noch ausgezeichnet im Rennen. Doch leider zeigte sich während der zweiten Hälfte das durch die Saison hinweg bekannte Bild, dass sie im Vergleich zu ihren Konkurrentinnen das Tempo nicht halten konnte und Zug um Zug zurückfiel. Leider war es auch bei diesem Rennen der Fall und letztlich reichte es nur zu einer Endzeit von 1:21,51 Minuten und einem Platz im hinteren Drittel ihres Laufes. In der Gesamtabrechnung ihres Jahrganges landete sie damit auf dem 23. Rang.

Von der Grundgeschwindigkeit her bringt sie alles mit, was eine gute Brustschwimmerin benötigt, jedoch fehlt es ihr noch eindeutig an der Tempohärte, so dass aktuell zum Ende hin sehr stark einbricht. Neben dem noch nicht ausreichend ausgeprägten Stehvermögen spielt ihr auch die Technik sozusagen einen Streich, indem sie noch zu sehr eine auf kurze Distanzen ausgelegte Technik ins Wasser bringt. Das zeigt sich durch zu kurze Gleitphasen und einer etwas zu tiefen Wasserlage, die zusammen sehr viel Kraft kosten und zudem energetisch sehr ungünstig sind. Wenn dann Richtung Ende die Kraft geschwunden ist, kann sie mit dieser Technik einfach nicht das tempo halten und verliert auf der zweiten Rennhälfte überproportional viel Zeit. Aber die Probleme sind bekannt und an der Lösung wird gearbeitet und ihr Trainer ist optimistisch, dass sie bis zum Kurzbahnhöhepunkt im Winter einen guten Schritt nach vorne gemacht haben wird.


Une poule mouillée oder auf Deutsch „ein Angsthase, hi, hi, hi“

Ganz andere Voraussetzungen gab es bei Bettina Fuhr und Aurica Ritter. Beide konnten sich jeweils auf 50 m Strecken für die Sprintdistanzen qualifizieren. Ollé empfindet es als schwieriger bei den kurzen Strecken ein hohes Maß an Qualität zu reproduzieren. Und besonders junge Athleten, zu denen beide noch gehören, tun sich oft schwer damit, konstant gute Sprints hinzulegen. Für beide Damen ist es als Erfolg anzusehen, dass sie erstmals auf der 50 m Bahn die Normen für die nationalen Titelkämpfe unterbieten konnten.

Der Trainingsschwerpunkt für Bettina Fuhr in der unmittelbaren Vorbereitung lag auf dem Einhalten der richtigen Frequenzen, da sie im Verlaufe des Rennens sehr stark dazu neigt, deutlich an Tempo in der Armbewegung zu verlieren, was das mit einem Geschwindigkeitsverlust einhergeht und zumeist auch zu sehr bescheidenen Anschlägen führt. Sie startete ordentlich und lag bei 25 Meter mit 13,6 Sekunden auf Bestzeitkurs und auch die Frequenzen waren stabil im mittleren 50er Bereich, so dass sie im Grunde die Vorgaben gut umsetzte. Allerdings hatte sie am Ende des Rennens nach eigenen Aussagen Schwierigkeiten, mit der in den letzten 10 bis 15 Metern ungewohnt höheren Frequenz und fühlte sich technisch nicht hundertprozentig wohl. Sie schlug nach exakt 30,58 Sekunden an und konnte damit ihre Bestzeit bestätigen, die sie nur um wenige Hundertstelsekunden verfehlte. Sie beendete ihre ersten Deutschen Meisterschaften auf dem 16. Platz.

Dass Aurica Ritter vor ihrem Rennen richtig nervös war, merkte man daran, dass sie sehr sehr ruhig war und kaum Worte aus ihrem Mund kamen. In der Regel sieht dies bei ihr nämlich anders aus und nicht selten quasselt sie wie ein Wasserfall. Aber am Renntag war das ganz anders;-)
Ihre realistische Maßgabe für das Rennen sollte das Unterbieten der 33-Sekundengrenze lauten, was sie bisher nur handgestoppt erreicht hatte, nicht jedoch elektronisch. Bis zur Hälfte des Rennens war soweit alles in Ordnung und sie lag mit 15,5 Sekunden im Soll. Allerdings beging sie erneut einen folgenschweren Fehler, der ihr schon mehrfach in dieser Saison passiert war und ihre große Nervosität widerspiegelt. Sie schwamm nämlich etwas schräg in der Bahn, was schließlich bei gut zwei Dritteln des Rennens dazu führte, dass sie mit der Schulter die Schwimmleine berührte, was nicht nur bremsende Wirkung hatte, sondern sie auch noch aus dem Rhythmus brachte. Damit war auch klar, dass die erhoffte Endzeit außerhalb des Möglichen blieb. Nach leider eher mäßigen 33,93 Sekunden erreichte sie das Ziel als 29. ihres Jahrganges.

Aber glücklicherweise nahm sie sich den „Fauxpas“ nicht allzu sehr zu Herzen und beeindruckte auf der Heimfahrt mit dem gewohnten Redeschwall. Dabei beglückte sie die Mitreisenden, gefühlte mehrere Stunden, mit den von ihr für die Schule zu erlernenden Französischvokabeln. Besonders die Vokabel „Angsthase“ hatte es ihr angetan und trieb sie zu Lachexzessen, die auch den Rest der Belegschaft zeitweise ansteckten. Auf jeden Fall ermöglichte ihr Heiterkeitsausbruch mit der eingelachten Aussage „Ein Angsthase, hi, hi, hi.“ Celine Mauer die Möglichkeit das ganze Gebaren mit der Handykamera für die Ewigkeit festzuhalten. Und erst nach mehrmaligem Vorspielen der Aufnahme ließ sich Aurica überzeugen, dass sie tatsächlich die Aussage getroffen hatte, nachdem sie zuvor alles abgestritten hatte …

Im Hinblick auf die rasante Entwicklung von beiden innerhalb des vergangenen halben Jahres sieht Ollé die Ergebnisse sehr entspannt und verweist auf die nicht zu erahnend gewesene positive Entwicklung und den damit verbundenen Leistungssprüngen. Beide durften total unerwartet im März erstmals für Hessenauswahl im Rahmen des Süddeutschen Ländervergleichs antreten. Anschließend gewannen beide im April erstmals Medaillen bei den Hessischen Jahrgangsmeisterschaften, wobei Bettina Fuhr sogar ihren ersten Titel erringen konnte. Und Aurica Ritter trug sich zusätzlich zweimal in die Vereinsrekordlisten des HSC ein. „Alles in Allem eine atemberaubende Saison und beide sind erst am Beginn ihrer Möglichkeiten und haben noch viel Potential, das es zu entwickeln gilt!“ Wohin die Reise geht müssen es die Damen im Training und mit Trainingsfleiß beantworten, der allerdings unterschiedlicher nicht ausgeprägt sein kann ;-)
Das getroffene Fazit trifft auch auf Julia Tilly und Celine Mauer zu, die bei gleichbleibendem Einsatz sicher noch den einen oder anderen Erfolg erringen werden. Beiden merkt man den Spaß an ihrem Sport an und sie bringen auch den nötigen Ehrgeiz mit, weiter gut an sich zu arbeiten.

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