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Etwas Glück fehlte bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften [11/2008]

Am Donnerstag, den 27. November 2008 brach ein kleines Hofheimer Grüppchen auf, um in Essen bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften zu zeigen, was sie sich in den vergangenen Monaten im Training erarbeitet hatten. Die „alten Hasen“ Daniel Spahn, Katharina Ebrecht, Christina Grölz und Franziska Metz wurden von den „Frischlingen“ Bettina Fuhr und Franziska Eichhorn (beide Jahrgang 1994) begleitet, die zum aller ersten Mal bei nationalen Titelkämpfen an den Start gehen durften.
Für Einzelstars bei den Herren hatten sich Daniel Spahn über 50 m und 100 m Brust und René Schäfer über die 50 m und 100 m Schmetterling qualifiziert. Allerdings verzichtete René Schäfer aufgrund seines Trainingsrückstandes auf einen Start. Bei den Damen konnten Katharina Ebrecht und Bettina Fuhr die Normen für die 50 m Schmetterling unterbieten.



Solide Einzelstarts im Bereich der Bestzeiten

Die Einzelstarts waren im Grunde eher eine Art Aufgalopp zu den Staffelwettbewerben, die traditionsgemäß in Hofheim im Vordergrund standen. Bevor die erste Staffel ins Wasser ging, lieferten Daniel Spahn über 100 m Brust sowie Bettina Fuhr und Katharina Ebrecht ihre Einzelstarts über 50 m Schmetterling ab.

Dabei feierte die gerade erst 14 gewordene Bettina Fuhr ihre Premiere bei Deutschen Meisterschaften. Nach enormen Leistungssprüngen seit den Sommerferien, konnte sie sich erstmals für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren und musste als erste Hofheimerin ins Wasser. Durch ihre Fähigkeit, fast „lautlos“, d.h. ohne Spritzer ins Wasser einzutauchen, kann sie in der Unterwasserphase von einer sehr hohen Geschwindigkeit profitieren. Gepaart mit einem sehr starken Schmetterlingbeinschlag bringt sie alle Vorraussetzungen für eine gute Schmetterlingsschwimmerin mit und liegt immer nach dem Auftauchen an der Spitze des Feldes. So gut ihr das jetzt ebenfalls gelang, so ungenügend war die Wende, da sie viel weit weg war von der Wand und dadurch an die Wende angleiten musste und viel Tempo und Zeit dabei liegen ließ. Trotzdem wendete sie mit 13,9 Sekunden in Bestzeit und kam dann auf den zweiten 25 Metern problemlos nach 30,17 Sekunden ins Ziel. Dabei verfehlte sie ihre handgestoppte Bestzeit gerade mal um sechs Hundertstelsekunden. Das Malheur an der Wende kostete sie das Unterbieten der 30-Sekundengrenze und damit eine neue Bestzeit. Aber trotzdem hat sie gezeigt, dass sie schwimmerisch in der Lage ist, mit den besten ihres Jahrganges mitzuhalten. Als Beleg dient der achte Rang in der aktuellen Deutschen Bestenliste innerhalb ihres Jahrgangs.

Für Katharina Ebrecht ging es bei ihrem Einzelstart sozusagen um „Schadensbegrenzung“. Im Vorfeld durch verschiedene Krankheiten geplagt, hatte sie zudem auch noch das Pech, vor Ort wieder nicht gesund zu sein und so ging es für sie in der Hauptsache darum, nicht zuviel Kraft über die Einzelstrecke zu lassen, um das maximal Mögliche in die Staffeln zu investieren. Bis zur Wende war sie stark unterwegs, ließ aber erwartungsgemäß auf der zweiten Bahn etwas nach und schlug nach passablen 30,19 Sekunden an und holte sich das Wassergefühl für die Staffelrennen ab ;-)

Auch Daniel Spahn konnte nicht so trainieren, wie er es sich wohl gewünscht hätte. Sowohl gesundheitlich als auch arbeitsbedingt lag sein geleistetes Pensum deutlich hinter dem des Vorjahres. Dementsprechend schwierig war es, Prognosen über seinen Leistungsstand abzugeben. Der letzte Formtest vor zwei Wochen bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften verlief sehr gut und neben einem Vereinsrekord über 50 m Brust kam er auch mit sehr guten Zeiten über 100 m und 200 m Brust nach Essen.
Für ihn begannen die Meisterschaften mit den 100 m Brust und er begab sich mutig ins Rennen und wendete zur Hälfte in 30,36 Sekunden nur drei Zehntel über der Durchgangszeit des Vorjahres, welches er mit dem immer noch bestehenden Vereinsrekord abschloss. Aber die zweite Rennhälfte ging gänzlichst daneben und weder Kondition noch Technik erlaubten ihm, an seine Vorjahreszeit heranzukommen. Nach eigener Aussage bekam er zu keinem Zeitpunkt das Wasser richtig zu fassen und kam überhaupt nicht ins Rennen. Aber dennoch beschloss er die 100 m Brust in 1:05,59 Minuten mit einer Saisonbestzeit und nahm das Rennen insgesamt mit der gebotenen Gelassenheit zur Kenntnis.
Am nächsten Tag stand für ihn noch die 50 m Bruststrecke auf dem Programm, bei dem er einen neuen Rekord im Visier hatte. Nach 13,5 Sekunden beendete er die ersten 25 Meter und hatte da noch alle Möglichkeiten. Allerdings hatte er etwas Pech mit der Laufeinteilung und musste mit deutlich schnelleren Konkurrenten an den Start gehen und zudem auch noch auf einer Außenbahn schwimmen. Der Nachteil besteht darin, dass er mit zunehmendem Rennen die Wellen der vor ihm schwimmenden Athleten abbekommt und somit in unruhigerem Wasser schwimmen muss. Technisch gesehen sah für seinen Trainer soweit auch auf der Rückbahn alles ordentlich aus und auch die Frequenz blieb stabil bei 57 Zügen pro Minute. Nach exakt 29,56 Sekunden schlug er an und blieb damit nur acht Hundertstel über seinem Vereinsrekord und zeigte mit den erwähnten Nachteilen eine ausgezeichnete Leistung.


Freistilstaffel der Damen verfehlt hauchdünn Rekord

Die unmittelbareVorbereitung verlief alles andere als optimal, da Krankheiten und ein geschlossenes Trainingsbecken in der Rhein-Main-Therme ein systematisches Training stark behinderten. Dennoch wurden, wie in den vergangenen Jahren stets erfolgreich praktiziert, die Staffelwechsel penibel eingeübt, um die beiden Vereinsrekorde bei den Damenstaffeln über 4 x 50 m Freistil und Lagen zu unterbieten.

Die Freistlistaffel ging in der in dieser Saison bereits bewährten Reihenfolge an den Start. Wie bei allen Großereignissen der vergangenen Jahre stand als Startschwimmerin Christina Grölz auf dem Block und sollte für eine gute Ausgangsposition sorgen. Allerdings herrschte Unklarheit über ihre aktuellen Sprintfähigkeiten, da sie sich im Verlaufe der Saison massiv über die längeren 200 m und 400 m Freistil verbessern konnte, jedoch bei den kürzeren Strecken über 50 m und 100 m Freistil im Vergleich hinter den zu erwartenden Zeiten zurück blieb. Letztes Jahr konnte sie an gleicher Stelle den nach wie vor gültigen Vereinsrekord von 27,53 Sekunden aufstellen. Aufgrund des bisherigen Saisonverlaufes sah es Trainer Adam Ollé aber als unrealistisch an, erneut in die Nähe dieses Rekords zu schwimmen. Vielmehr war eine hohe 27er Zeit als realistisch anzusehen. Besonders Start und Wende machten Christina seit dem Sommer Schwierigkeiten und sie verliert dabei wichtige Zehntel im Vergleich zur Konkurrenz. Auch jetzt in Essen lief es in diesem Bereich nicht optimal und sie übergab nach 28,16 Sekunden an Bettina Fuhr, die mit einem hervorragenden Wechsel (Wechselzeit 0,08 Sekunden) ins Rennen startete und das Tempo bis zum Ende hoch hielt und mit einer neuen Staffelbestzeit nach 27,48 Sekunden anschlug. Ihre schwimmerischen Fähigkeiten lassen eine noch bessere Zeit zu, doch ist sie aktuell noch nicht in der Lage, die notwendige Konzentration aufzubringen. Zu nennen dabei sind die etwas hastigen Übergänge nach Start und Wende und besonders das Heranschwimmen an die Leine kurz vor der Wende war ein stetes Thema im Training und den vergangenen Wettkämpfen und wurde immer wieder zur Sprache gebracht. Allerdings bisher ohne Erfolg… In Essen kam dann leider noch ein neues Thema hinzu, nämlich das akurate Aufwärmen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch die Folgen eines nicht ausreichenden Aufwärmprogrammes bekam sie unmittelbar nach dem Startsprung schmerzhaft zu spüren. Ein stechender Schmerz im Oberschenkel war die Folge eines explosiven Absprungs. Die Diagnose beim nachfolgenden Arztbesuch bedeutet das vorzeitige Ende des Trainings- und Wettkampfjahres, da eine schwere Zerrung (oder sogar ein Muskelfaserriss) festgestellt wurde.

Mit einem ebenfalls guten Wechsel (Wechselzeit 0,13 Sekunden) ging dann als dritte Hofheimerin Franziska Metz ins Wasser. Von ihr erhoffte sich Ollé einen großen Leistungssprung, da sie mit Abstand den besten Eindruck bei den Sprints im Training hinterließ. Bis zur Wende lief alles glatt und sie lag auf Bestzeitkurs. Allerdings offenbart auch sie Schwächen an der Wende und beim Übergang mit Hilfe von Schmetterlingbeinarbeit. Rein optisch zog sie das Rennen gut durch, doch fehlte es auf der zweiten Bahn am notwendigen Vortrieb und sie konnte das Tempo bei Weitem nicht halten. Aus den erhofften knappen 27 Sekunden sind dann mit 27,78 Sekunden gut eine halbe Sekunde mehr geworden als vom Trainer erwartet. Die Staffel lag nun etwas hinter dem Fahrplan, der eine Endzeit von unter 1:50,0 Minuten vorsah. Allerdings war der Vereinsrekord von 1:50,32 Minuten aus dem Vorjahr noch zu schaffen.

Waren die zuvor gezeigten Staffelwechsel schon fast optimal, so konnte Schlussschwimmerin Katharina Ebrecht ihre Mannschaftskameradinnen noch einmal unterbieten und legte mit 0,06 Sekunden den fast perfekten Wechsel hin und kämpfte bis zum um den Vereinsrekord. Nach 27,03 Sekunden berührte sie die Anschlagmatte und musste feststellen, dass die Staffel mit der Endzeit von 1:50,39 Minuten den Vereinsrekord minimal um sieben Hundertstel Sekunden verfehlt hatte. Trotz dieser kleinen Enttäuschung kamen die Hofheimer Damen als drittbestes hessisches Team in die Wertung und konnten dieses Mal gegen Gelnhausen knapp den Spieß umdrehen und blieben trotz nicht optimaler Leistung als 16. auch noch vor der Eschborner Staffel.


Lagenstaffel mit fantastischem Vereinsrekord und einem Schönheitsfehler

In der zweiten zu schwimmenden Damenstaffel am Tag darauf über 4 x 50 m Lagen ging es im Wesentlichen nicht um die Unterbietung des Vereinsrekordes. Diese Zeit war für Trainer Ollé kein Hindernis. Vielmehr galt es, die geforderte Norm von 2:06,00 Minuten zu unterbieten, was bisher noch nie gelungen war und mehr als zwei Sekunden unterhalb des bestehenden Vereinsrekordes liegt. Nach Hochrechnungen war mit einer Zeit um 2:05,50 Minuten zu rechnen, woraufhin die Staffel auch ohne Pflichtzeit gemeldet wurde. Ein weiterer Gedanke bei Ollé war auch, dass durch diese Staffel wieder eine junge Schwimmerin die Möglichkeit erhalten sollte, diese besondere Luft und Atmosphäre bei Deutschen Meisterschaften schnuppern zu dürfen. Ähnliches widerfuhr Aurica Ritter im vergangenen Sommer als erstmals in Berlin an den Start gehen durfte. Dieses Mal kam als Brustschwimmerin Franziska Eichhorn (Jahrgang 1994) zum Einsatz. Sie empfahl sich mit einem unbändigen Trainingsfleiß und ist zudem aktuell die schnellste Hofheimer Brustschwimmerin. „Sie hat sich diesen Start ganz einfach verdient und ich wollte sehen, wie sie sich bei einem so wichtigen Wettkampf präsentiert.“ lautet die einfache Erkenntnis ihres Trainers. Ihre Nervosität war deutlich zu spüren und verdrängte in den Minuten vor dem Start den Stolz und die Freude auf dieses Rennen.

Aber bevor sie dann an die Reihe kam, eröffnete Rückenschwimmerin Franziska Metz das Rennen der Staffel, die gleich im ersten Lauf an der Reihe war. Sie kam gut weg und wendete mit guten 16,1 Sekunden deutlich auf Bestzeitkurs. Aber wieder lief es auf der Rückbahn nicht ganz optimal und sie wurde etwas langsamer. Doch es reichte mit 32,78 Sekunden zu einer neuen Bestzeit. Auf sie folgte dann die Premiere von Franziska Eichhorn, die loslegte, wie die Feuerwehr und die besten 50 m ihrer noch sehr jungen Karriere ins Wasser legte. Mit unglaublichen und zuvor nicht für möglich gehaltenen 35,52 Sekunden unterbot sie ihre Bestzeit um zwei ganze Sekunden. Doch trotz dieser überragenden Leistung kamen beim Trainer auf der Tribüne erste Sorgenfalten ins Gesicht, das ihr Wechsel unmittelbar den Eindruck eines Frühstarts erweckte. Mit einem gewohnt souveränen und starkem Wechsel (Wechselzeit 0,14 Sekunden) folgte Schmetterlingsschwimmerin Katharina Ebrecht. Auch sie legte eine neue Staffelbestzeit hin und übergab nach 29,04 Sekunden an Schlussschwimmerin Christina Grölz, die ebenfalls mit einem guten Wechsel (Wechselzeit 0,13 Sekunden) den Block verließ und auf den verbleibenden 50 m Kraul einem unglaublich guten neuen Vereinsrekord entgegen schwamm. Sie beendete nach 27,53 Sekunden ihre Teilstrecke und zusammen pulverisierten die Damen in 2:04,87 Minuten den alten Vereinsrekord um mehr als drei Sekunden und blieben auch ungefährdet unter der geforderten Pflichtzeit und entsprechend groß war der Jubel auf der Startbrücke.

Doch musste man noch um die Gültigkeit bangen, bis die Wechselzeiten analysiert waren. Und leider bestätigte sich nach wenigen Minuten die Vermutung des Trainers und der Wechsel von Franziska Eichhorn war einen Wimpernschlag zu früh und die Staffel wurde disqualifiziert. Ganze sechs Hundertstelsekunden verließen die Füße von Franziska Eichhorn den Block vor dem Anschlag von Franziska Metz, die selber den Eindruck hatte, nicht optimal an die Wand gekommen zu sein.

Aber trotz dieses Missgeschickes, gab es nur ganz kurz lange Gesichter und alle trösteten die zu Tode betrübte Franziska. Bei allen überwog der Stolz auf diese super Leistung und wirklich niemand war böse auf den voreiligen Wechsel. „Das ist Sport und die Mädels haben alles riskiert und bei insgesamt sechs Staffelwechseln waren fünf hervorragende Wechsel dabei und einer ging um einen Wimpernschlag in die Hose. Wenn sie eine Zehntelsekunde länger auf dem Block bleibt, sind wir zwar nicht disqualifiziert, doch die Leistung würde für die gleiche bleiben. Ich bin glücklich und stolz darauf, wie die Staffel und besonders Franziska hier aufgetreten sind. Da spielen sechs Hundertstel für mich keine Rolle! Sie hat einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht und ist beim wichtigsten Wettkampf ihrer Karriere eine überragende Zeit geschwommen. Das zählt und das soll sie für die Zukunft mitnehmen.“ lautet das Fazit von Ollé, der trotzdem hochzufrieden mit der Staffel ist. „Besonders die Tatsache, dass die Wechsel so gut umgesetzt worden sind und auch alle den Mut hatten, etwas zu riskieren, zeigt mir, dass alle die richtige Einstellung und Leistungsbereitschaft hatten. Und das wird auch der übrigen Mannschaft zu Gute kommen.“

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