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Süddeutschen Meisterschaften verliefen nicht Plan [05/2007]

Am 19. und 20. Mai 2007 fanden im Karlsruher Fächerbad die Süddeutschen Meisterschaften und Jahrgangsmeisterschaften der weiblichen Jahrgänge 1989-1992 und männlichen Jahrgänge 1988-1990 statt. Überraschender Weise war die Konkurrenz deutlich besser besetzt als sich zunächst vermuten ließ. Denn schließlich fanden die Deutschen Meisterschaften bereits vor 5 Wochen statt und demnach war die Saison für die Topschwimmer im Grunde bereits beendet, was nichts gutes für diese Meisterschaften erahnen ließ. Jedoch waren die meisten dieser Schwimmer/innen anwesend und selbst Vizeweltmeisterin Annika Lurz aus Würzburg war am Start.
Aus Hofheimer Sicht schlug der Generationenwechsel bzw. das Ausscheiden der gesamten 1. Männermannschaft, die 2005 noch in der 2. Bundesliga schwamm, voll zu buche. Denn erstmals seit vielen Jahren wurden weder Staffeln gemeldet, noch hatte irgendein Hofheimer Starter eine Chance auf eine Endlaufteilnahme. Dies lag aber nicht am unereichbaren Niveau der Veranstaltung, sondern daran, dass die aktuelle 1. Mannschaft (noch) nicht das gleiche Niveau aufbieten kann, wie es in der jüngeren Vergangenheit der Fall war. Trainer Adam Ollé konnte mit Oliver Buch (Jahrgang 89), Peter Hohmann (90) und Franziska Metz (91) ausschließlich diese drei Athleten melden, die auch noch alle im Jahrgangsbereich starteten.


Abschlusstraining bescheinigt trotz durchwachsener Vorbereitung eine gute Form

Die Vorbereitung auf dieses Topereignis verlief mit Sicherheit nicht optimal und hinterließ einiges an Fragen. Nachdem Franziska Metz im April nach den Osterferien übberagende Leistungen im Training zeigte, die sie auch auf dem letzten Kurzbahnwettkampf vor kanpp vier Wochen in einige Bestzeiten umsetzen konnte, wurde sie durch eine Krankheit lahm gelegt und kämpfte seitdem um den Anschluss und das Wiederherstellen der sehr guten Leistungsfähigkeit. Peter Hohmann war zwar nicht krank gewesen, aber aufgrund einiger schulischer Verpflichtungen fehlte er Anfang Mai gut zwei Wochen im Training. Einzig Oliver Buch konnte seit Anfang April konstant durchtrainieren und zeigte bei verschiedenen Veranstaltungen im Vorfeld durchaus ansprechende Leistungen. Doch den guten Zeiten folgten auch immer wieder regelmäßig Rückschläge, so dass sich kein einheitliches Bild abzeichnete.

Umso wichtiger waren nach diesen Ungewissheiten die erzielten Leistungen am letzten Donnerstag vor dem Wettkampf. Nachdem sich an den Tagen zuvor die Verbesserung der Form ankündigte, stand bei diesem Training die letzte ernsthaftere Belastung auf dem Programm, die alle drei Athleten mit Bestleistung abschlossen. Alle drei schwammen eine 50 m Strecke, die sie auch in Karlsruhe zu absolvieren hatten. Oliver Buch überzeugte mit 27,0 Sekunden über 50 m Schmetterling, wie auch Franziska Metz mit 31,5 Sekunden über die gleiche Strecke. Noch besser im Verhältnis war dabei Peter Hohmann, der über 50 m Rücken in 29,0 Sekunden seine Bestzeit um eine glatte Sekunde unterbot. Die gute Form war also rechtzeitig da und alle freuten sich auf den Wettkampf in Karlsruhe ...


HSC-Schwimmer unter Wert geschlagen

Der Weg nach Karlsruhe verlief im Grunde ohne Zwischenfälle, wobei Adam Ollé als Trainer und Chauffeur in Personalunion schon mal auf der Autobahn zeigte, dass der HSC schnell unterwegs war ;-) Allerdings schien es im Nachhinein so, dass irgendwie etwas vom "guten Geist" des Abschlusstrainings unterwegs verloren wurde. Denn die in Karlsruhe gezeigten Leistungen entsprachen leider nicht den berechtigten Erwartungen von Trainer und Athleten.

Oliver Buch machte am Samstag den Auftakt über 50 m Freistil. Oliver kam trotz eines bekannten Fehlers nach dem Start gut ins Rennen und war bei Halbzeit noch auf Bestzeitkurs. Doch sobald die Frische aus seinem Körper entwichen ist und die anaerobe Ausdauerfähigkeit die primäre Energiebereitstellung übernimmt, die selbst bei dieser kurzen Strecke eine wichtige Rolle spielt, fällt Olivers Geschwindigkeit unverhältnismäßig stark ab und gleichzeitig kommt eine erhebliche Technikverschlechterung zum Vorschein, so dass beide Faktoren zusammen dafür sorgen, dass er auf der zweiten Teilstrecke im Vergleich zur Konkurrenz deutlich Zeit einbüßen muss. Er schlug nach 25,48 Sekunden an und war mit dieser Zeit knapp an seiner Bestleistung dran. Er belegte damit in der Jahrgangswertung den 11. Platz.
Am Sonntag zeigte er bei seiner Hauptstrecke über 50 m Schmetterling ein ähnliches Bild. Bei Halbzeit auf Bestzeitkurs konnte er auch hier die gute Anfangsgeschwindigkeit nicht halten und verlor noch Zeit im Verlauf der zweiten Teilstrecke und schlug nach 27,47 Sekunden als Neunter an. Als "weder Fisch noch Fleisch" bezeichnete sein Trainer diese Leistungen. "Das sind alles Zeiten im Rahmen seiner Möglichkeiten, doch fehlt ein Befreiungsschlag, ein deutlicher Sprung im Leistungsvermögen. Die Ansätze sind da, aber er kann die erhoffte Leistung unter Stress nicht abrufen."

In diese Kerbe muss man auch leider bei Peter Hohmann schlagen. Sein Optimismus und der seines Trainers waren berechtigter Weise hoch, doch leider scheiterte Peter an diesen Erwartungen und zeigte ein total verkorkstes Rennen über die 50 m Rücken.
Nach dem Einschwimmen bescheinigte er ein gutes Gefühl zu haben und nichts deutete darauf hin, dass er die Trainingsleistung nicht auch beim Saisonhöhepunkt ins Wassser bringen würde. Er musste gleich im ersten Rückenlauf ins Wasser und sollte eigentlich deutlich schneller sein als die Konkurrenz in diesem Lauf. Soweit zumindest die Theorie. Die Praxis sah leider anders aus. Zu keinem Zeitpunkt konnte sich Peter vom Feld lösen, im Gegenteil blieben alle Konkurrenten bis zum Anschlag eng beisammen. Das lag allerdings nicht daran, dass die anderen so schnell waren, sondern vielmehr daran, dass Peter nicht ansatzweise an seine Leistung aus dem Training herankam. Am Ende egalisierte er in 30,95 Sekunden zwar seine Bestzeit, aber Freude kam diesbezüglich überhaupt nicht auf. Am Vortag ist er im Freibad in Bergen-Enkheim bei den Bezirks-Meisterschaften die gleiche Zeit geschwommen, obwohl er kreuz und quer auf seiner Bahn hin- und herschwamm und sogar stehen blieb, weil er kurzzeitig in die Leine griff. Nicht nur Peter schaute in Karlsruhe betröppelt auf die Anzeigentafel, sondern auch sein Trainer war sprachlos nach dieser Vorstellung...

Einzig Franziska Metz ließ sich nicht beirren und zeigte den beiden Jungs, wie man zum richtigen Zeitpunkt eine sehr gute Leistung abruft. Und erschwerend kam für sie hinzu, dass sie gerade nach ihrer kurz zuvor überwundenen Krankheit an diesem Wochenende mit einer starken Erkältung nach Karlsruhe anreisen musste. Aufgrund der Erkältung wurden in Absprache mit ihrem Trainer die 50 m Schmetterling abgeschenkt, um alle Kräfte auf das 100 m Freistilrennen zu konzentrieren. Aufgrund ihrer guten Trainingsergebnisse bis Ende April wurde sie für ihre Hauptstrecke gemeldet, obwohl sie die geforderte Pflichtzeit von 1:04,00 Minuten im Vorfeld nicht erreichen konnte. Trotz ihrer Krankheit und dem zusätzlichen Druck um das Wissen der fehlenden Pflichtzeit, konnte sie für dieses Rennen alle Hindernisse aus ihrem Kopf entfernen und die erforderliche Leistung abrufen. Ihre einstudierte Marschroute lautete, die ersten 25 m locker und ruhig anzugehen, um nicht zu viel Energie im ersten Rennviertel zu lassen. Diese Vorgabe gelang ihr gut, obwohl die Schwimmerinnen auf den Nachbarbahnen deutlich schneller angingen und sie dadurch hätte verleitet werden können, dieses Tempo mitzuschwimmen. Sie hielt dieser Versuchung stand und wendete bei 30,6 Sekunden und hielt den Rückstand konstant. Ihre zweite umzusetzende Aufgabe lautete, am Ende über einen verstärkten Beineinsatz, erhöhter Frequenz und weniger Atmung eine stabilere Technik im Schlussspurt zu realisieren. Und auch wenn ihr dies sichtbar schwer gefallen ist, setzte sie auch diese Maßgabe im Rahmen ihrer körperlichen Möglichkeiten ordentlich um und schlug mit Bestzeit in 1:03,94 Minuten an und unterbot damit zugleich auch die geforderte Norm. "Bei vorhandener Gesundheit wäre sicherlich noch eine besser Zeit möglich gewesen, aber aufgrund der Umstände hat sie ein optimales Rennen geboten" lautet das Fazit von Adam Ollé.


Erstmals seit Jahren keine Deutschen Meisterschaften

Mit sehr gemischten Gefühlen verließen am Sonntag Trainer und Athleten das Fächerbad in Karlsruhe. Das Fazit des Trainers lautet ganz klar, dass die gezeigten Leistungen in Karlsruhe hinter denen aus dem Training zu erwartenden Leistungen zurück blieben. Besonders enttäuscht war Adam Ollé über die Herangehensweise an die wichtigen Rennen. Der große Unterschied beispielsweise zu Lara-Marie Deibel am vergangenen Wochenende war, dass zwar auch Lara nervös war, aber sie es in eine positive leistungsfördernde Spannung kanalisieren konnte, wo hingegen die Jungs eher negativ angespannt waren und eine Art Versagensangst an den Tag legten. "Es fehlt einfach an der Siegermentalität, an dem Willen, sich durch nichts beirren zu lassen und sein Ding an diesem Wochenende durchzuziehen."
Es ist deutlich zu erkennen, dass zwischen Anspruch und Realität eine deutliche Lücke klafft. Das liegt zum Einen daran, dass es weder Oliver Buch noch Peter Hohmann gelungen ist, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die elementar sind. Vielmehr schien es mehr so zu sein, dass sie sich von Kleinigkeiten haben beirren und ablenken lassen. Bei Oliver entlud sich die offenbar angestaute Angespanntheit in einem unangebrachten Wutausbruch unmittelbar nach dem Einschwimmen und bei Peter kam nach dem Rennen zum Vorschein, dass er nur noch daran gedacht hatte, nichts falsch zu machen, anstatt daran zu denken, was er denn tun und machen kann, um schnell zu schwimmen. Auch im unmittelbaren Vorfeld zum Rennen deutet nichts darauf hin, dass er sich solche Gedanken machen würde. Er verabschiedete sich mit den Worten, dass er ein gutes Gefühl habe. "Und dann übernahm leider der Kopf und verdrängte das gute Gefühl ..." so Ollé.

Leider blieb der erhoffte und durchaus mögliche Befreiungsschlag im Sinne einer enormen Leistungssteigerung aus und so muss der HSC erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt hinnehmen, dass sich kein Schwimmer und keine Schwimmerin für Deutsche Meisterschaften qualifizieren konnte. Offenbar sind diejenigen, die den bisherigen HSC-Aushängeschilder nachfolgen noch nicht in der Lage, mit dieser Führungsrolle umzugehen. Es zeigt sich überdeutlich, dass es schwierig ist, aus dem Schatten der bisherigen Topschwimmer herauszutreten und selber für die Spitzenresultate zu sorgen, die in den vergangenen Jahren fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Diese Zeiten sind jedoch vorbei und die neuen Leistungsträger müssen den Beweis noch antreten, dass sie bereit sind, diese neue Rolle auszufüllen und die nachrückenden jungen Athleten genauso im Training und Wettkampf zu führen, wie es mit ihnen selbst erfolgte.

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