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Überragender Michael Krayer schwimmt erstmals ins Finale bei Deutschen Meisterschaften [06/2006]

Es war wieder soweit und der jährliche Wettkampfhöhepunkt mit den Deutschen Meisterschaften in Berlin stand vom 21. bis 25. Juni 2006 auf dem Programm. Mit Michael Karayer, René Schäfer, Oliver Buch, Alexander Maus und Frederik Zölls reiste Trainer und Busfahrer Adam Ollé nach Berlin.
Die Stimmung bei der Anreise war hervorragend und als es am Abend nach einiger Verwirrung sogar klappte, Pizzen zu bestellen ("Ok, dann nehme ich lieber Schinken";-), konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Mit einer "optimalen körperlichen" Vorbereitung (siehe Bild rechts) ging es dann ins Schwimmbad zu den Titelkämpfen;-)

Optimale Vorbereitung ;-)) Wieder einmal wurde der Austragungsmodus der Titelkämpfe geändert, so dass die Athleten dieses Mal das zweifelhafte Vergnügen hatten, die Vorläufe ab 17 Uhr schwimmen zu dürfen, um dann ggf. am nächsten Mittag das Finale bestreiten zu dürfen. Was sich der Verband bei dieser Regelung gedacht hatte, werden höchstwahrscheinlich nicht viele Menschen wissen und noch weniger verstehen. Diese Wettkampffolge bringt für alle Vereine das Problem mit sich, dass man nicht weiß, bis wann man das bzw. die Hotelzimmer buchen soll, da man nur schwerlich einschätzen kann, wer sich für welche Finals qualifizieren wird. Das Zuschauerintersse mittags bei den Endläufen war äußerst dürftig und außerdem kam noch hinzu, dass mittags so gut wie keine Athleten im Bad waren, so dass die Entscheidungen praktisch in einem fast leeren Bad ohne jegliche Stimmung ausgetragen wurden. Die Athleten sprachen übereinstimmend von den atmosphärisch schlechtesten Deutschen Meisterschaften seit Jahren. Bei jedem Einladungswettkampf herrscht bessere Stimmung als es in Berlin der Fall war.
Trotz dieses Handicaps ließen es sich die Hofheimer Herren nicht nehmen, überragende Leistungen abzuliefern und sie schafften es sogar, ihren Trainer zu überraschen und übertrafen bei weitem die gesetzten Erwartungen. "Wer im Vorfeld solche Leistungssteigerungen prophezeit oder gar erwartet hätte, den hätte ich höchstwahrscheinlich für übermütig erklärt." Letztlich standen drei Finalteilnahmen, vier neue Vereinsrekorde und zwei Top-Ten-Platzierung in der offenen Wertung zu Buche, womit alle Hoffnungen und Erwartungen deutlich übertroffen wurden.


Freistaffel der Herren untermauert Spitzenposition in Deutschland

Freistilstaffel unmittelbar vor dem Start Der Wettkampf für die HSC-Herren war sofort das Rennen über 4 x 100 m Freistil, wo das HSC-Team bei seinem letzten Start vor zwei Jahren den fünften Platz belegte. Eine ähnliche Platzierung war auch für diese Titelkämpfe das Ziel, jedoch wollte die Staffel unbedingt den 2004 aufgestellten Vereinsrekord von 3:29,8 Minuten unterbieten. Etwas Besonders war dieses Rennen vor allem für Frederik Zölls, für den es nach seinen eigenen Angaben das letzte Rennen bei Deutschen Meisterschaften sein soll. Er verzichtete, trotz erreichter Qualifikation auf jegliche Einzelstarts, da er unmittelbar nach dem Rennen Berlin verlassen musste, um noch pünktlich an einem Seminar teilnehmen zu können.

Michael Krayer (Jahrgang 82) eröffnete als Startschwimmer das Rennen. Da er sich hauptsächlich auf die 50 m Freistil vorbereitet hatte, musste er sich ganz genau an die taktischen Vorgaben halten, um nicht zu schnell ins Rennen zu gehen und am Ende das Tempo halten zu können. Er schwamm die erste Bahn sehr diszipliniert und wendete bei 25,3 Sekunden im geplanten Zeitfenster. Er konnte sein Tempo weiter gut halten und übergab in neuer Vereinsrekordzeit vom 52,77 Sekunden an Frederik Zölls. Mit dieser Zeit unterbot Michale Krayer den zwei Jahren alten Rekord von Alexander Maus, den dieser ebenfalls als Startschwimmer der Vereinsrekordstaffel erzeilt hatte, um eine halbe Sekunde.
Frederik Zölls wollte es bei seinem letzten Auftritt auch noch mal wissen und legte sehr schnell los. Nach 24,4 Sekunden wendete er und konnte sogar weiter zulegen und blieb an den führenden Staffeln dran. Zu diesem Zeitpunkt lag die HSC-Staffel auf Rang vier und Frederik übergab mit neuer Staffelbestzeit von 51,35 Sekunden, der schnellsten je geschwommen 100 m Zeit eines Hofheimers an René Schäfer.
Frederik Zölls, Trainer Adam Ollé, Michael Krayer, Alexander Maus und René Schäfer René Schäfer versuchte von Anfang an, den Abstand nicht weiter anwachsen zu lassen und ging sehr beherzt ans Werk und wendete nach 24,3 Sekunden. Doch seine suboptimale Technik im Kraulschwimmen macht sich besonders auf der 50 m Bahn bemerkbar und so konnte er sein Anfnagstempo nicht ganz zu Ende bringen. Sein Problem sind die zu hohen Frequenzen, mit denen er das Rennen schwimmt und deshalb am Ende der 50 m Bahn erhebliche Probleme bekommt. Aber auch für ihn reichte es trotzdem locker zu einer neuen Staffelbestzeit. In 52,4 Sekunden unterbot er seine Bestmarke um eine Dreiviertelsekunde und übergab an Schlußschwimmer Alexander Maus.
Alexander geht traditionell immer etwas ruhiger ins Rennen und wendete nach 24,9 Sekunden. Doch irgendwie schien er zu ruhig zu schwimmen, denn er fühlte sich nicht in der Lage, seine volle Leistung abzurufen. Er versuchte zwar alles, doch es klappte nicht so gut, wie er es vorhatte. Nach 52,7 Sekunden beendete er das Staffelrennen und schließlich stand am Ende der erhoffte Vereinsrekord in 3:29,44 Minuten zu Buche und ein bemerkenswerter siebter Rang in der Abschlusswertung. Leider musste sich Alexander noch ganz knapp um zwei Hundertstelsekunden der Bremer Staffel geschlagen geben, was jedoch bei der überzeugenden Leistung zu verschmerzen war. Ob dieser Vereinsrekord jemals gebrochen werden kann, dürfte als sehr fraglich angesehen werden ...


Michael Krayer gehört zu den besten Sprintern Deutschlands

Den Wettkampf seines Lebens absolvierte Michael Krayer, der seit knapp einem Monat aus den USA zu Besuch weilt und die unmittelbare Vorbereitung mit der gesamten Mannschaft absolvierte. Er deutete sowohl bei den Süddeutschen Meisterschaften als auch im Training an, dass die Vereinsrekorde vor ihm keineswegs sicher sind. Nach einem gelungenen Start mit der Freistilstaffel, stand sein wichtiges Einzelrennen über 50 m Freistil am letzten Veranstaltungstag an. Während die deutsche Fussballnationalmannschaft sich gegen Schweden für das Viertelfinale qualifizierte, bereitete sich Michael auf sein Rennen vor. Und die gute Leistung der Fussballer schien ihn noch mehr zu beflügeln, denn er flog praktisch über das Wasser. Mit seinem gewohnt explosiven und schnellen Start kam er optimal ins Rennen und lag in seinem Vorlauf, dem letzten und schnellsten, von Anfang an in Führung. Sein Trainer auf der Tribüne wusste bereits zur Halbzeit des Rennens, dass Michael auf dem Weg zu einer sensationellen Zeit war. Bis zur Hälfte des Rennens benötigte er lediglich 10,3 Sekunden, womit er bereits dort eine halbe Sekunde schneller war als bei seinem eigenen Vereinsrekord, den er drei Wochen zuvor bei den Süddeutschen Meisterschaften in Heidelberg aufstellte. Er ließ auch auf der zweiten Hälfte nicht nach und gewann völlig überraschend seinen Vorlauf mit neuer Vereinsrekordzeit von 23,22 Sekunden, womit er seine alte Bestmarke um Sieben Zehntelsekunden pulverisierte. Zurecht reckte er nach dem Anschlag die Faust in die Luft, denn mit dieser Zeit qualifizierte er sich als Fünfter für das Finbale am nächsten Tag.

Aufgrund dieser sensationellen Leistung kamen nun für den Trainer die organisatorischen Probleme ins Spiel, da man für diese Nacht kein Zimmer hatte, da es eigentlich geplant war, nach den Vorläufen nach Hause zu fahren. Aber es fand sich dann glücklicherweise noch ein warmes und überdachtes Plätzchen mit kuscheligem Bett, so dass der Aufenthalt kurzerhand bis zum nächsten Tag verlängert wurde.

Michael Krayer mit Trainer Adam Ollé Durch seinen Finaleinzug hatte Michael als zweiter Hofheimer (nach Frederik Zölls 2004) die Ehre, live im Fernsehen gezeigt zu werden. Im Finale startete er auf Bahn zwei und der Drittplatzierte nach den Vorläufen war lediglich 23 Hundertstel schneller, so dass noch alles möglich schien.
Wieder startete Michael hervorragend und lag bis 25 m gut im Rennen und war sogar eine Winzigkeit schneller als im Vorlauf. Doch wie schwer es ist, ein 50 m Sprintrennen in gleicher Qualität zu wiederholen wurde auf den zweiten 25 Metern deutlich. Bei den hohen Geschwindigkeiten reichen winzige Details aus, um kleinste Bruchteile von Sekunden zu verlieren. Optisch gab es eigentlich keine Unterschiede zum Vorlauf, lediglich die Frequenz war hinten heraus etwas höher, doch war Michael im Anschlag einen Wimpernschlag langsamer als im Vorlauf und beendete das Rennen in 23,39 Sekunden als Sechster. Auch wenn er nicht ganz so schnell war, wie zuvor, waren er und sein Trainer und nicht zuletzt die gesamte Mannschaft vollauf zufrieden mit seiner Leistung.


René Schäfer schwimmt sich wieder nach vorne

Genau zwei Jahre ist es bereits her als René Schäfer (Im Bild rechts in der Mitte, zusammen mit Oliver Buch und Michael Krayer) im Juniorenfinale über 50 m Schmetterling den zweiten Platz belegte und auch die Norm für die Junioreneuropameisterschaften deutlich unterbot. Aber weil er über die 100 m Schmetterling das Finale knapp verpasste, wollte ihn der Deutsche Schwimmverband nicht für die EM nominieren. Und obwohl er mit seinen damals erzielten 25,03 Sekunden sogar Zehnter in der offenen Wertung wurde, hat man seit der Absage seitens des damaligen Cheftrainers Beckmann, nie wieder etwas vom Verband gehört, obwohl Herr Beckmann eine Teilnahme Renés an einen Ländervergleichswettkampf, sozusagen als Entschädigung, andeutete. Seit diesen Deutschen Meisterschaften stagnierten die Leistungen Renés und es gab nicht wenige kontroverse Diskussionen und Analysen seiner Trainingsleistungen, die sein Trainer als unzureichend empfand. Den entscheidenden Umschwung brachte ein Gespräch im letzten Dezember, nach dem René auch endlich Taten folgen ließ. Die Planung sah vor, das Training wieder richtig aufzunehmen und bis zum Sommer an die alten Leistungen anzuknüpfen und dabei jedoch deutliche technische Fortschritte im Bereich des Starts und der Delfinbeinbewegung zu erzielen.

René Schäfer vor dem Start des Schmetterlingfinales Nachdem René bei seinem ersten Start in der Freistilstaffel seine Bestzeit um gut eine Dreiviertelsekunde unterbot, schien die Form vor seinem wichtigsten Rennen über 100 m Schmetterling in Ordnung zu sein. Lediglich die relativ schlechten letzten Meter bei den 100 m Freistil machten dem Trainer leicht zu schaffen. Aber diese Sorge sollte grundlos sein, wie sich im Verlauf des Rennens zeigte.
René startete im letzten Vorlauf, zusammen mit Titelverteidiger Helge Meeuw aus Wiesbaden und hatte lauter schneller gemeldete Schwimmer in seinem Lauf. Die Verbesserung im Bereich Start und Delfinbeine zeigte sich unmittelbar nach dem Start als René kaum noch etwas gegen die meisten seiner Konkurrenten einbüßte. Er ging wahnsinnig ruhig und locker in das Rennen, genau wie vorher besprochen wurde. Bereits bei der ersten Zwischenzeit bei einem Viertel der Strecke wußte sein Trainer, dass es Renés bestes Rennen seiner Karriere werden könnte. Er schwamm so locker und technisch sauber, dass sein Trainer von Anfang begeistert war. Mit unfassbar niedrigen Frequenzen schwamm er fast schon gemütlich mit dem Feld mit und wendete nach 26,3 Sekunden, was auf einen sehr gute Endzeit hindeutete. Aber viel wichtiger als die schnelle Zwischenzeit war die Art und Weise, nämlich der möglichst geringe Aufwand, das Entscheidende. Durch die reservenschonende Angagsweise konnte René nämlich sein Tempo halten und über das Hochziehen der Frequenz den Geschwindigkeitsabfall so gering halten, dass er bis zum Ende sein Rennen durchschwimmen konnte. Er schlug nach nie erwarteten, nicht mal erträumten 55,63 Sekunden an und verbesserte Frederik Zölls' Vereinsrekord von den Titelkämpfen 2004 um fast eine halbe Sekunde. "Das war eine taktische Meisterleistung und es zeugt von einer sehr guten körperlichen und psychischen Verfassung, dass er sein Rennen so perfekt geschwommen ist. Er hat sich, trotz der sehr schnellen Konkurrenten, nicht dazu verleiten lassen, mit zuviel Aufwand anzuschwimmen" zeigte sich Adam Ollé begeistert über Renés Rennen. Er konnte sogar als Vierter in diesem Vorlauf anschlagen und war hinter Helge Meeuw der zweitbeste hessische Starter, womit er überraschender Weise sogar einige höher eingeschätzte Schwimmmer, die am Stützpunkt in Frankfurt trainieren, hinter sich lassen. Auch René war sehr zufrieden, da er selber nach dem Anschlag maximal mit einer 56,2 gerechnet hätte. Als Zugabe konnte er sich mit dieser Zeit sogar für das Junioren-II-Finale der acht Besten aus den Jahrgängen 85 bis 87 qualifizieren und wurde in der Gesamtwertung sehr guter Vierzehnter.

Das Finale fand dann am nächsten Vormittag statt und sollte zur Überprüfung der Leistung dienen. Da die zu schwimmenden Zeiten für eine Medaille als utopisch anzusehen waren, wollte und sollte René durch eine schnellere Angangszeit versuchen, das Rennen offensiver zu gestalten, um am Ende dann einfach zu sehen, wie weit und schnell die Arme und Beine ihn noch ins Ziel tragen würden. Er schwamm auch im Finale relativ locker, aber wendete in 25,78 Sekunden nochmals eine halbe Sekunde schneller als im Vorlauf und schwamm dann genauso weiter, so dass er bei 75 m eine knappe halbe Sekunde Vorsprung auf seine Vorlaufzeit hatte. Doch leider reichte es nicht ganz, um die Zeit nochmals zu verbessern. Er bestätigte in 55,76 Sekunden seine Vorlaufleistung und wurde in der Junioren-II-Wertung abschließend guter Achter und zeigte, dass bei kontinuierlichem Verlauf seines im Training eingeschlagenen Weges, noch weitere Verbesserungen möglich sind.

Oliver Buch, René Schäfer und Michael Krayer So gut, wie es bei den 100 m Schmetterling klappte, so wenig lief es über die halb so lange Sprintdistanz. Nach dem tollen Rennen über 100 m stiegen natürlich Renés Erwartungen und er wollte sogar Frederiks Vereinsrekord von 24,63 Sekunden angreifen. Aber offensichtlich war das Training und die Vorbereitung zu sehr auf das 100 m Rennen optimiert gewesen, denn René kam mit den hohen Frequenzen während des 50 m Schmetterlingrennens überhaupt nicht klar. Er mühte sich zwar redlich, doch konnte er die ausgezeichnete Technik in den niedrigen Frequenzen nicht auf die hohen Frequenzen übertragen und "zog komplett am Wasser vorbei". Alles, was er an Schnelligkeit der Armbewegung hinzufügte, verlor er wieder durch Schlupf. Er konnte keine zusätzliche Geschwindigkeit entwickeln und schlug mit überraschend mäßigen 25,76 Sekunden an und war entsprechend enttäuscht. Leider konnte er sich als Neunter in der Junioren-II-Wertung nicht für das Finale qualifizieren, womit ihm die Möglichkeit verwehrt blieb, ein technisch besseres und dann wohl schnelleres Rennen zu schwimmen. "Ich denke, dass er im Finale die Fehler aus dem Vorlauf nicht nochmal gemacht hätte und er sein wahres Potential gezeigt hätte", war auch sein Trainer enttäuscht. Er war mit dieser Endzeit gerade einmal Zweihundertstelsekunden schneller als beim 100 m Rennen an der Wende. Aber das sollte der einzige Ausrutscher bei den Meisterschaften bleiben...

Als Zugabe durfte René dann noch am lezten Tag über 50 m Freistil antreten, was man eher als Zugabe betrachtete. Er "kloppte" dann in seiner eigenen Art mit sehr hohen Frequenzen die 50 m runter und schaffte es sogar, seine Bestzeit um eine Tehntelsekunde auf 24,23 Skunden zu verbessern, womit er sich ein weiteres Mal für das Junioren-II-Finale qualifizieren konnte.
Allerdings kann man René über die Freistilstrecken nie genau sagen, ob es noch schneller geht oder nicht. Und so war er dann im Finale in 24,44 auch knapp eine Zehntelsekunde langsamer als im Vorlauf und wurde abschließend Zehnter in der Junioren-II-Wertung.

To be continued ...