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Erfolg haben und Mensch bleiben [01/2003]

René Schäfer will nicht alles seinem großen Schwimm-Talent unterordnen

Vom 17.01.2003 aus der Main-Spitze von Daniel Schleidt

Viele Sportler, speziell Jugendliche, neigen dazu, nach gewissen Erfolgen schnell übermütig zu werden. Dem Traum von einer großen Karriere, von sportlichem Ruhm und Erfolg, folgt dann nicht selten der harte Sturz auf den Boden der Realität.

René Schäfer scheint diese Erfahrung nicht machen zu müssen. Anfang November gewann der 16 Jahre alte Schüler aus Weilbach fünf Titel bei der Hessenmeisterschaft der Schwimmer auf der Kurzbahn in Baunatal; auch auf der 50-Meter-Bahn holte er drei Meisterschaften. Trotzdem hört man von René Schäfer keine Kommentare über internationale Wettbewerbe oder Vergleiche mit Spitzensportlern. Der junge Mann, 1,93 Meter groß, bleibt offensichtlich auf dem Boden. Was nicht heißt, dass er nicht weiß, was er mit seinem aktuellen Trainingsaufwand erreichen kann. Sein Ziel für das laufende Jahr ist es, bei den Deutschen Meisterschaften in einen Endlauf zu kommen. Weitere Ziele setzt er sich vorerst nicht.

Falls ihm die Final-Teilnahme bei einem nationalen Titelrennen in diesem Jahr gelingen sollte, dann wohl nur in einer Disziplin. Im Schmetterling ist Schäfer am stärksten. Dort war er bei den hessischen Meisterschaften nicht zu schlagen, dort belegte er in seiner Altersklasse bei den "Süddeutschen" den dritten Platz, dort hat er die größten Chancen, sich im Vergleich mit den besten deutschen Athleten durchzusetzen. Mit seiner Zeit von 2:13,23 Minuten über 200 Meter verbesserte er bei der HM den alten Vereinsrekord des Hofheimer Schwimm-Clubs (HSC) um mehr als drei Sekunden; zudem schlug er auch über 50 und 100 Meter jeweils als Erster an. Zwar sei gerade die Disziplin Schmetterling, wie er sagt, überaus anstrengend. Und auch das Training sei nicht selten ziemlich kräfteraubend. "Doch es macht schon allein deshalb Spaß, weil ich Erfolg habe", so Schäfer. Siege können also auch bei ihm hartes Training aufwiegen.

"Ich weiß, wie viel ich trainieren muss, um bestimmte Ziele zu erreichen", sagt er. Das ist neu. "Früher", sagt Trainer Adam Ollé, "war er nicht gerade ein Trainings-Weltmeister". René Schäfer lebte von seinem außergewöhnlichen Talent. Die Zeiten sind vorbei, und das hat auch Schäfer erkannt. "Er hat seine Ziele gefunden, die er umsetzen will", sagt Trainer Ollé.

Fünf Mal pro Woche übt er bis zu drei Stunden im Schwimmbecken der Hofheimer Rhein-Main-Therme. Bis vor einem Jahr, vor der Öffnung der Therme, standen im Kelkheimer Schwimmbad nur vier Trainingstage zur Verfügung. Zu wenig für Spitzenleistungen. Im Moment kann er sechs Mal pro Woche trainieren, und wenn auch das zu wenig werden sollte, "rate ich ihm zu einem Vereinswechsel", so Ollé. René Schäfer will es aber nicht übertreiben mit dem Trainingsaufwand. Wenn er sehe, wie viel die nationale Spitze zeitlich in den Schwimmsport investiere, werde ihm bewusst, dass er andere Schwerpunkte setzt. René Schäfer ist kein Typ, der das Gros seiner Jugend ausschließlich dem Sport unterordnet. Die Schule etwa sei ihm sehr wichtig. Am Hofheimer Main-Taunus-Gymnasium will er sein Abitur ablegen.

Und auch seine Freunde spielen eine wichtige Rolle in seinem Leben. Im vergangenen Jahr hat er in Weilbach bei den Kerweborsch mitgemacht und somit wieder Kontakt zu vielen Jugendlichen in seiner Heimatstadt geschlossen. Aufgrund dieser Einstellung verspürt er nicht den unbedingten Zwang, sich zwingend verbessern zu müssen. Weder die Eltern noch Trainer Ollé setzen ihn unter Druck. Natürlich würde sich René Schäfer gerne 'mal Deutscher Meister nennen. Doch er weiß, dass dies im Schwimmsport nicht nur durch Talent erreichbar ist, harte Arbeit ist weit wichtiger. Deshalb hält er derartige Titel "beim momentanen Trainingspensum nicht für möglich". Doch vielleicht ändert sich alles mit der Volljährigkeit. Denn momentan fahren ihn die Eltern zum Training. Und obwohl Weilbach und Hofheim nicht wirklich weit auseinander liegen, ist er sich der Belastung bewusst.

Doch wer weiß. "Er entwickelt sich langsam, aber stetig", sagt Ollé. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften erwartet er Schäfer mindestens in einem Endlauf. "Das ist der nächste Schritt, danach sehen wir weiter". Das Training, gibt René Schäfer zu, mache ihm zwar Spaß, "aber manchmal geht es auch ein wenig auf die Nerven". Doch letzten Endes schwimmt er einfach gerne. Meistens zumindest. Hinzu komme "die Macht der Gewohnheit". Denn das Schwimmen ist längst fester Bestandteil in seinem Leben geworden. Das Nonplusultra soll es deshalb aber nicht sein.